4 Wege zu kostenloser Nachhilfe
Wer die Kosten für Nachhilfe nicht tragen kann, findet kostenlose Hilfe an vier Stellen. Das sind die Schule selbst, gemeinnützige Vereine, kostenlose Lernseiten im Internet und Ämter, die Nachhilfe für bestimmte Familien bezahlen. Gemeinnützig heißt, dass ein Verein sein Geld nur für seinen Zweck ausgeben darf, hier für Bildung.
Die Kosten reichen von 0 Euro bei den meisten Angeboten bis zu einem empfohlenen Beitrag von 20 Euro im Monat bei Chancenwerk. Bezahlt das Bildungspaket, fällt auch dieser Beitrag weg.
| Angebot | Wer hilft | Kosten | So kommt Ihr Kind dazu |
|---|---|---|---|
| Förderunterricht und Ganztag der Schule | Lehrkräfte und Fachkräfte der Schule | 0 Euro | Klassenlehrkraft fragen |
| StudyTutors, 41 Standorte | ehrenamtliche Studierende, einmal pro Woche 1 bis 2 Stunden allein mit Ihrem Kind | 0 Euro | Anmeldung beim Verein im Internet |
| Lern-Fair, online | Ehrenamtliche, einzeln oder in Gruppenkursen | 0 Euro | Anmeldung im Internet, für 7 bis 27 Jahre |
| Chancenwerk, an Partnerschulen | ältere Schüler unter Anleitung von Studierenden | empfohlen 20 Euro im Monat, mit Bildungspaket 0 Euro | vor allem an Partnerschulen des Vereins |
| Serlo, Lernseite | Erklärungen, Aufgaben und Videos, keine Lehrkraft | 0 Euro, ohne Werbung | ohne Anmeldung nutzbar |
| Assistierte Ausbildung für Azubis | Ausbildungsbegleiter der Arbeitsagentur | 0 Euro | Termin bei der Berufsberatung |
Kostenlose Förderung in der Schule geht vor
Fragen Sie zuerst die Klassenlehrkraft, welche Förderung die Schule anbietet. Ob Ihr Kind dort kostenlose Hilfe bekommt, hängt stark davon ab, ob die Schule eine Ganztagsschule ist. In einer Befragung, die die Bertelsmann Stiftung 2016 veröffentlicht hat, gaben Eltern an, dass Kinder an Halbtagsschulen in 20 Prozent der Fälle kostenlose Förderung bekamen. An offenen Ganztagsschulen waren es 25 Prozent, an Ganztagsschulen mit festen Zeiten am Nachmittag mehr als ein Drittel.
Seit dem Schuljahr 2024/25 bekommen gut 4.000 Schulen mit vielen benachteiligten Kindern zusätzliches Geld aus dem Startchancen-Programm von Bund und Ländern. Die Schulen setzen es für Unterricht, Lernräume und zusätzliches Personal wie Schulsozialarbeit ein. Die Länder haben diese Schulen ausgewählt. Fragen Sie die Schulleitung, ob die Schule Ihres Kindes dazugehört und welche Förderung es dort gibt.
Vereine, in denen Studierende kostenlos Nachhilfe geben
StudyTutors, früher Studenten bilden Schüler, vermittelt kostenlose Nachhilfe von ehrenamtlichen Studierenden an Kinder aus Familien mit wenig Geld. Der Verein ist an 41 Standorten aktiv, vor allem in Universitätsstädten wie Aachen, Berlin, Köln und München. Eine Studentin kommt einmal pro Woche für ein bis zwei Stunden und arbeitet allein mit Ihrem Kind. Wer dort unterrichtet, muss ein Führungszeugnis beantragen, also eine amtliche Auskunft über Vorstrafen.
Lern-Fair ist ein gemeinnütziger Verein, der seit März 2020 kostenlose Nachhilfe im Internet vermittelt. Ehrenamtliche unterrichten einzeln oder in Gruppenkursen. Das Angebot richtet sich an benachteiligte Schülerinnen, Schüler und Azubis zwischen 7 und 27 Jahren.
Chancenwerk arbeitet anders. An seinen Partnerschulen helfen ältere Schüler jüngeren beim Lernen, angeleitet von Studierenden. Die älteren bekommen dafür einmal pro Woche einen kostenlosen Kurs von 90 Minuten in ihrem schwierigsten Fach. Für die jüngeren Kinder empfiehlt der Verein einen Beitrag von 20 Euro im Monat, seine eigenen Kosten liegen bei 65 Euro. Bezahlt das Bildungspaket, entfällt der Beitrag.
Kostenlos online üben mit Erklärungen und Aufgaben
Für das Üben zu Hause gibt es kostenlose Lernseiten. Serlo bietet über 23.000 Erklärungen, Übungsaufgaben mit Lösungen und Lernvideos, vor allem für Mathe. Die Seite ist werbefrei, braucht keine Anmeldung und gehört einem gemeinnützigen Verein.
Eine Lernseite erklärt, aber sie merkt nicht, wo Ihr Kind hängen bleibt. Die britische Education Endowment Foundation wertet Studien zu Förderung aus. Am besten wirkt danach Unterricht in kurzen, regelmäßigen Einheiten, der an den Stoff aus der Schule anknüpft und dessen Lehrkraft den Fortschritt verfolgt. Nutzen Sie Lernseiten deshalb vor allem zum Üben zwischen den Stunden.
Wann das Bildungspaket oder die Arbeitsagentur zahlt
Bekommt Ihre Familie Grundsicherungsgeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag, bezahlt das Bildungspaket auch Nachhilfe bei einem Institut oder einer privaten Lehrkraft. Die Schule bestätigt dafür, dass Ihr Kind Hilfe braucht und dass sie selbst kein eigenes Angebot hat. Den Antrag auf Nachhilfe beim Bildungspaket stellen Sie gesondert, am besten bevor die Stunden beginnen.
Für Azubis gibt es die Assistierte Ausbildung der Agentur für Arbeit. Ausbildungsbegleiter organisieren dort zum Beispiel Nachhilfestunden zur Vorbereitung auf Prüfungen. Das Angebot ist kostenlos. Einen Termin bekommen Azubis bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur oder beim Jobcenter.
Woran Sie gute kostenlose Nachhilfe erkennen
Prüfen Sie ein kostenloses Angebot mit denselben Fragen wie eine bezahlte Nachhilfe. Die Education Endowment Foundation fand, dass Programme mit Ehrenamtlichen gut wirken können, aber womöglich weniger als Unterricht durch erfahrene, geschulte Lehrkräfte. Schulung und ein fester Ablauf helfen den Ehrenamtlichen.
- Wer steht dahinter? Ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, eine Schule oder ein Amt nennt Namen und Anschrift.
- Was kostet es wirklich? Fragen Sie nach Mitgliedsbeiträgen, Material und einer Mindestdauer.
- Wer unterrichtet? Fragen Sie, ob die Helfer geschult werden und ein Führungszeugnis vorlegen.
- Wie oft? Kurze, regelmäßige Termine wirken besser als eine lange Stunde ab und zu.
- Passt es zum Unterricht? Gute Nachhilfe arbeitet mit dem Stoff, den Ihr Kind gerade in der Schule hat.
- Was passiert mit den Daten? Lesen Sie bei Angeboten im Internet nach, was über Ihr Kind gespeichert wird.
Bietet die Schule Förderunterricht oder Lernzeiten im schwachen Fach an, die Ihr Kind noch nicht nutzt?
Nutzen Sie zuerst dieses Angebot. Es ist kostenlos und knüpft direkt an den Unterricht an.
Bekommt Ihre Familie Grundsicherungsgeld, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Sozialhilfe?
Beantragen Sie Nachhilfe über das Bildungspaket. Die Schule bestätigt den Bedarf auf einem Vordruck.
Melden Sie Ihr Kind bei einem gemeinnützigen Verein an. Zum Üben zwischen den Terminen eignet sich eine kostenlose Lernseite.
Häufige Fragen
Gibt es kostenlose Nachhilfe von Studenten?
Ja, kostenlose Nachhilfe von Studierenden vermitteln gemeinnützige Vereine. StudyTutors ist an 41 Standorten aktiv, eine Studentin kommt dort einmal pro Woche für ein bis zwei Stunden. Lern-Fair vermittelt kostenlose Nachhilfe im Internet für Schülerinnen, Schüler und Azubis zwischen 7 und 27 Jahren.
Bietet die Schule kostenlose Nachhilfe an?
Ja, viele Schulen bieten kostenlose Förderung an, etwa Förderunterricht oder Lernzeiten im Ganztag. Eltern berichteten 2016 in einer Befragung der Bertelsmann Stiftung, dass Kinder an Ganztagsschulen mit festen Nachmittagszeiten in mehr als einem Drittel der Fälle kostenlose Förderung bekamen. Fragen Sie die Klassenlehrkraft nach dem Angebot.
Wer bezahlt Nachhilfe für Kinder aus Familien mit wenig Geld?
Nachhilfe für Kinder aus Familien mit Grundsicherungsgeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag bezahlt das Bildungspaket. Die Schule muss bestätigen, dass Ihr Kind Hilfe braucht und sie selbst kein passendes Angebot hat. Sie stellen dafür einen eigenen Antrag.
Gibt es kostenlose Nachhilfe für Azubis?
Ja, Azubis bekommen kostenlose Nachhilfe über die Assistierte Ausbildung der Agentur für Arbeit. Ausbildungsbegleiter organisieren dort zum Beispiel Nachhilfestunden zur Vorbereitung auf Prüfungen. Einen Termin vereinbaren Azubis bei der Berufsberatung oder beim Jobcenter.
Ersetzt eine kostenlose Lernseite die Nachhilfe?
Nein, eine kostenlose Lernseite wie Serlo ersetzt keine Nachhilfe, weil sie nicht merkt, wo Ihr Kind hängen bleibt. Sie eignet sich zum Üben zwischen den Stunden. Am besten wirkt nach der Education Endowment Foundation Unterricht in kurzen, regelmäßigen Einheiten, der an den Schulstoff anknüpft.
