Was unterscheidet Nachhilfe von Lerntherapie?
Nachhilfe übt den Stoff, den Ihr Kind gerade in der Schule lernt. Sie schließt eine Lücke, etwa bei Brüchen oder bei der Zeitform im Englischen. Lerntherapie richtet sich an Kinder mit einer Lernstörung. Eine Lernstörung bedeutet, dass ein Kind beim Lesen, Schreiben oder Rechnen deutlich unter dem Stand liegt, der für sein Alter und seine Klasse zu erwarten ist. Die Lese-Rechtschreibstörung heißt auch Legasthenie, die Rechenstörung auch Dyskalkulie.
Lernstörungen sind nicht selten. Die ärztlichen Leitlinien nennen für die Lese-Rechtschreibstörung etwa 3 bis 8 Prozent der Kinder und für die Rechenstörung etwa 2 bis 8 Prozent. Ohne passende Hilfe bleiben diese Störungen oft bestehen. Gezielte Nachhilfe zeigt dagegen in Studien ihre beste Wirkung über einen Zeitraum von bis zu 10 Wochen.
| Frage | Nachhilfe | Lerntherapie |
|---|---|---|
| Woran wird gearbeitet? | am aktuellen Stoff der Klasse | an den Grundlagen, etwa Laute, Buchstaben oder Zahlverständnis |
| Wer unterrichtet? | Lehrkräfte, Studierende oder ältere Schüler | Lerntherapeuten mit eigener Weiterbildung oder Studium |
| Was kommt vor dem Start? | ein Blick auf die letzten Klassenarbeiten | eine ausführliche Eingangsdiagnostik und ein Gespräch mit den Eltern |
| Wie lange dauert es? | oft einige Wochen bis zu einem Ziel | oft über einen längeren Zeitraum |
| Wer zahlt? | Sie selbst oder bei geringem Einkommen das Bildungspaket | meist Sie selbst, die Krankenkasse zahlt nicht, das Jugendamt nur unter Bedingungen |
Woran merken Sie, dass Üben nicht mehr reicht?
Sicher erkennen können Sie eine Lernstörung als Eltern nicht. Das betont der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie für beide Störungen. Eine Liste mit Anzeichen ersetzt keine Untersuchung. Es gibt aber Situationen, in denen Sie die Ursache klären lassen sollten.
- Die Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen bestehen seit Monaten, obwohl Ihr Kind regelmäßig übt.
- Gezielte Nachhilfe läuft seit etwa zehn Wochen und bringt keinen sichtbaren Fortschritt.
- Die Lehrkraft spricht Sie von sich aus auf auffällige Schwierigkeiten an.
Warten lohnt sich dabei nicht. Unerkannte Lernstörungen dauern nach Angaben des Fachverbands für Integrative Lerntherapie an und werden meist stärker. Kinder mit Rechenstörung lernen etwa das kleine Einmaleins oft nur auswendig, ohne es zu verstehen. Das Förderangebot der Schule reicht bei Lernstörungen nach Angaben des Verbands nicht aus.
Wer klärt ab, ob eine Lernstörung vorliegt?
Ob eine Lernstörung vorliegt, klären bei Kindern Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten oder psychologische Psychotherapeuten. Sie nutzen genormte Tests und sprechen ausführlich mit Ihnen. Zur Untersuchung gehört auch die Prüfung, ob Ihr Kind gut sieht und hört. Das verlangt die ärztliche Leitlinie zur Lese-Rechtschreibstörung.
Gespräch mit der Klassenlehrkraft
Fragen Sie, was die Lehrkraft im Unterricht beobachtet und welche Förderung die Schule anbietet.
Sehen und Hören prüfen lassen
Schlechtes Sehen oder Hören muss als Ursache ausgeschlossen sein. Das kann etwa die Kinderarztpraxis prüfen.
Untersuchung bei Fachleuten
Fachärzte oder Psychotherapeuten testen Lesen, Schreiben oder Rechnen und sprechen mit Ihnen über die Entwicklung Ihres Kindes.
Ergebnis mit der Schule besprechen
Mit einer Diagnose kann die Schule die Bedingungen in Prüfungen anpassen. Die Regeln dafür legt jedes Bundesland selbst fest.
Passende Hilfe wählen
Bei einer Lernstörung folgt meist Lerntherapie. Ohne Diagnose bleibt gezielte Nachhilfe der richtige Weg.
Was Lerntherapie anders macht als Nachhilfe
Lerntherapie beginnt mit einer ausführlichen Eingangsdiagnostik. Die Therapeutin erfasst, wo Ihr Kind beim Lesen, Schreiben oder Rechnen steht und wie es lernt. Danach bespricht sie das Ergebnis mit Ihnen und vereinbart Ziele. Die Therapie verbindet fachliches Üben mit Hilfe bei den seelischen Folgen, etwa Versagensangst. Lehrkräfte und Eltern werden dabei einbezogen.
Lerntherapeuten erwerben ihre Qualifikation auf unterschiedlichen Wegen, etwa über eine Weiterbildung oder ein Studium. Fachverbände zertifizieren ihre Mitglieder, der Berufsverband für Lerntherapeut:innen zum Beispiel jeweils für vier Jahre. Fragen Sie deshalb vor dem Start nach der Ausbildung und dem Zertifikat. Ohne Lernstörung entscheidet die Art der Lücke, ob Nachhilfe sinnvoll ist.
- Fragen Sie, welche Ausbildung die Therapeutin hat und von welchem Verband sie zertifiziert ist.
- Fragen Sie, wie die Eingangsdiagnostik abläuft und ob Sie das Ergebnis schriftlich bekommen.
- Fragen Sie, welche Ziele für die ersten Monate gelten und wie der Fortschritt gemessen wird.
- Fragen Sie, wie die Therapeutin mit der Schule zusammenarbeitet.
Wer zahlt Lerntherapie, wer zahlt Nachhilfe?
Eine Lerntherapie bezahlen die meisten Familien selbst. Die Krankenkassen tragen die Kosten einer Therapie bei Legasthenie nicht, schreibt der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie. Das Jugendamt kann die Kosten übernehmen, wenn die seelische Gesundheit Ihres Kindes voraussichtlich länger als sechs Monate leidet und es dadurch im Alltag eingeschränkt ist. Ob das zutrifft, prüft das Jugendamt. Im Antrag heißt diese Hilfe Eingliederungshilfe.
Bei Nachhilfe hilft das Bildungspaket, wenn Ihre Familie Grundsicherung, früher Bürgergeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag bekommt. Im Antrag heißt Nachhilfe Lernförderung. Das Jobcenter Kreis Kleve etwa bewilligt bei Lese-Rechtschreibschwäche oder Dyskalkulie auch Förderung über ein Schuljahr hinaus. Für das Bildungspaket für Nachhilfe brauchen Sie einen eigenen Antrag.
Hat eine Fachärztin oder ein Psychotherapeut eine Lernstörung festgestellt?
Lerntherapie ist der passende Weg. Fragen Sie beim Jugendamt, ob es die Kosten übernimmt.
Bestehen die Probleme trotz regelmäßigen Übens seit vielen Monaten?
Lassen Sie die Ursache abklären, bevor Sie weitere Nachhilfe buchen. Der erste Schritt ist ein Gespräch mit der Klassenlehrkraft.
Gezielte Nachhilfe passt. Legen Sie ein Ziel fest und prüfen Sie nach zehn Wochen den Fortschritt.
Häufige Fragen
Kann Nachhilfe eine Lese-Rechtschreibstörung beheben?
Nein, Nachhilfe setzt bei einer Lese-Rechtschreibstörung nicht an der Ursache an. Sie übt den Stoff der Klasse, während Lerntherapie an den Grundlagen des Lesens und Schreibens arbeitet. Ob eine solche Störung vorliegt, klären Fachärzte oder Psychotherapeuten.
Wer stellt fest, ob mein Kind Legasthenie oder Dyskalkulie hat?
Legasthenie und Dyskalkulie stellen bei Kindern Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten oder psychologische Psychotherapeuten fest. Sie arbeiten mit genormten Tests. Vorher sollte geprüft sein, dass Ihr Kind gut sieht und hört.
Zahlt die Krankenkasse eine Lerntherapie bei Legasthenie?
Nein, die Krankenkassen zahlen keine Lerntherapie bei Legasthenie. Sie übernehmen nur die Behandlung von körperlichen oder seelischen Erkrankungen, die als Folge auftreten. Unter bestimmten Bedingungen trägt das Jugendamt die Kosten.
Wie viele Kinder haben eine Lese-Rechtschreibstörung oder Rechenstörung?
Eine Lese-Rechtschreibstörung haben nach den ärztlichen Leitlinien etwa 3 bis 8 Prozent der Kinder, eine Rechenstörung etwa 2 bis 8 Prozent. Manche Kinder haben beide Störungen.
Woran erkenne ich eine gute Lerntherapeutin?
Eine gute Lerntherapeutin beginnt mit einer ausführlichen Eingangsdiagnostik und bespricht das Ergebnis mit Ihnen. Sie nennt Ziele, misst den Fortschritt und arbeitet mit der Schule zusammen. Fragen Sie außerdem nach ihrer Ausbildung und einem Zertifikat eines Fachverbands.
