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Ist Nachhilfe sinnvoll? Wann sie wirkt und wann nicht

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Ja, Nachhilfe ist sinnvoll, wenn sie an einer klar benannten Lücke ansetzt, eng zum Unterricht passt und kurz, aber regelmäßig stattfindet. Dann bringt sie im Schnitt etwa fünf Monate Lernvorsprung. Stunden ohne Ziel bringen oft nichts. Steckt eine Lernstörung, Angst oder Überforderung in der Schulform dahinter, braucht Ihr Kind andere Hilfe.

Lernvorsprung durch Einzelnachhilfe
etwa 5 Monate
Education Endowment Foundation, Teaching and Learning Toolkit, One to one tuition, Stand 4. Oktober 2026
Dauer mit der besten Wirkung
bis zu 10 Wochen
Education Endowment Foundation, Teaching and Learning Toolkit, One to one tuition, Stand 4. Oktober 2026
Sechs- bis 16-Jährige mit Nachhilfe
14 Prozent
Bertelsmann Stiftung, Nachhilfeunterricht in Deutschland, Klemm und Hollenbach-Biele, Stand 27. Januar 2016
Ein Kind sitzt mit dem Rücken zur Kamera am Küchentisch und schreibt in ein Matheheft, daneben zeigt die Hand einer Nachhilfelehrkraft auf eine Aufgabe.
Kurze Übungszeiten am Küchentisch mit einem klaren Ziel bringen mehr als lange Sitzungen ohne Plan. Bild: KI generiert.

Wann ist Nachhilfe sinnvoll?

Nachhilfe ist sinnvoll, wenn Ihr Kind eine Lücke im Stoff hat, die sich benennen lässt. Das kann die Bruchrechnung sein, das Passiv in Englisch oder die Kommasetzung. Wer die Lücke kennt, kann sie gezielt schließen. Ohne benannte Lücke fehlt der Nachhilfe dagegen ein Ziel.

Wie Nachhilfe wirkt, hat die britische Education Endowment Foundation aus vielen Studien zusammengetragen. Danach bringt Einzelnachhilfe im Schnitt etwa 5 Monate zusätzlichen Lernfortschritt. Am besten wirken kurze Termine von etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche, über einen festen Zeitraum von bis zu 10 Wochen. Die Nachhilfe soll zusätzlich zum Unterricht stattfinden und eng mit ihm verbunden sein. In Deutschland bekamen nach einer Elternbefragung der Bertelsmann Stiftung 14 Prozent der Kinder zwischen 6 und 16 Jahren Nachhilfe.

  • Die Lücke ist benannt, und die Lehrkraft der Schule sieht sie genauso.
  • Die Nachhilfe arbeitet mit dem Stoff aus der Klasse, mit Heft, Schulbuch und der letzten Klassenarbeit.
  • Die Termine sind kurz und häufig, nicht einmal pro Woche 90 Minuten.
  • Es gibt ein Ziel mit Datum, etwa die nächste Klassenarbeit oder das Halbjahreszeugnis.
  • Sie bekommen Rückmeldung, was geübt wurde und was noch fehlt.

Wie viel bringt Nachhilfe laut Studien?

Nachhilfe bringt in gut gemachten Studien einen deutlichen Lernvorsprung, aber nicht in jedem Fach und Alter gleich viel. Die Kleingruppe mit zwei bis fünf Kindern kommt im Schnitt auf vier Monate Vorsprung. Eine Auswertung von Dutzenden Experimenten durch Andre Nickow, Philip Oreopoulos und Vincent Quan aus dem Jahr 2020 nennt die Wirkung beständig und deutlich. Am stärksten war sie bei Lehrkräften und pädagogischen Hilfskräften, in den unteren Klassen und bei Förderung während der Schulzeit.

Der Lernvorsprung in den britischen Auswertungen reicht von 2 Monaten bis 6 Monaten. Einzelnachhilfe in der Grundschule bringt 6 Monate, in der weiterführenden Schule 4 Monate, die Kleingruppe in der weiterführenden Schule nur 2 Monate.

Zusätzlicher Lernfortschritt durch Nachhilfe im Schnitt der ausgewerteten Studien, nach Form, Schulstufe und Fach.
Form der NachhilfeZusätzlicher LernfortschrittWas das für Sie heißt
Einzelnachhilfe, Grundschule6 MonateFrüh helfen lohnt sich am meisten
Einzelnachhilfe, weiterführende Schule4 MonateWirkt weiter gut, wenn die Lücke klar ist
Kleingruppe mit 2 bis 5 Kindern, Grundschule4 MonateWirkt gut und kostet weniger
Kleingruppe, weiterführende Schule2 MonateGruppe nur bei gleichem Thema und Tempo
Einzelnachhilfe beim Lesen und Schreiben6 MonateBeim Lesen wirkt Einzelarbeit besonders
Einzelnachhilfe in Mathematik2 MonateIn Mathe bringt die Kleingruppe 3 Monate

Diese Zahlen gelten für Förderung mit Plan. Die Lehrkraft kennt die Lücke, arbeitet mit dem Unterricht zusammen und prüft den Fortschritt. Wo Hilfskräfte oder Freiwillige unterrichten, empfiehlt die Stiftung Schulung und einen festen Ablauf.

Warum gekaufte Nachhilfe oft keine bessere Note bringt

In großen deutschen Studien bringt gekaufte Nachhilfe im Schnitt keine besseren Noten. Karin Guill, Oliver Lüdtke und Olaf Köller werteten 2020 die Daten von 11.358 Jugendlichen der zehnten Klasse aus. Nachhilfe hatte im Schnitt keinen Effekt auf die Noten in Mathematik und Deutsch. Nur Jugendliche mit schwachen Noten profitierten minimal. Fühlten sie sich von der Nachhilfelehrkraft unterstützt, waren sie aber mit ihrer Schule zufriedener.

Die Studie der Bertelsmann Stiftung kommt zu einem ähnlichen Schluss. Die Teilnahme an Nachhilfe hängt danach nicht eindeutig mit besseren Noten zusammen. Mehr als jedes dritte Kind mit Mathe-Nachhilfe hatte dort sogar schon eine Note zwischen sehr gut und befriedigend.

Ein Grund für den Unterschied zu den guten Werten der britischen Auswertungen liegt in der Arbeitsweise. Dort wurden vor allem Programme mit Plan geprüft, mit geschulten Lehrkräften und enger Verbindung zum Unterricht. Eine Stunde pro Woche, in der jemand neben Ihrem Kind die Hausaufgaben macht, ist etwas anderes. Auch wie Ihr Kind zu Hause übt, zählt mit. Welche Lerntechniken für Schüler wirken, ist gut untersucht.

Wann Nachhilfe das falsche Mittel ist

Nachhilfe ist das falsche Mittel, wenn die Ursache keine Lücke im Stoff ist. Ziehen sich Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen trotz Übens über lange Zeit, kann eine Lernstörung dahinterstecken. Als Laie können Sie das nicht sicher erkennen, sagt der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie. Ob Ihr Kind Nachhilfe oder Lerntherapie braucht, klären Fachleute.

Hat Ihr Kind große Angst vor Prüfungen oder vor der Schule, hilft keine zusätzliche Stunde Stoff. Dann ist eine Fachstelle wie die Schulpsychologie der richtige Weg. Braucht Ihr Kind in mehreren Hauptfächern dauerhaft Nachhilfe, nur um mitzukommen, sprechen Sie mit der Schule auch über die Schulform. Und bietet die Schule selbst Förderunterricht an, nutzen Sie ihn zuerst, denn er ist in der Regel kostenlos.

Braucht Ihr Kind Nachhilfe oder etwas anderes?

Lässt sich die Schwierigkeit an einem Thema in einem Fach festmachen?

Ja

Bietet die Schule dafür Förderunterricht an, den Ihr Kind noch nicht nutzt?

Ja

Nutzen Sie zuerst den Förderunterricht. Er ist in der Regel kostenlos und kennt den Stoff der Klasse.

Nein

Nachhilfe passt. Suchen Sie eine Lehrkraft, die mit einer Lernstandsprobe beginnt und ein Ziel mit Datum nennt.

Nein

Hat Ihr Kind trotz Übens seit Monaten Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen?

Ja

Lassen Sie eine Lernstörung fachlich abklären. Nachhilfe allein löst das Problem nicht.

Nein

Sprechen Sie mit der Klassenlehrkraft über Angst, Motivation oder die Schulform. Eine Fachstelle wie die Schulpsychologie hilft weiter.

Woran Sie sehen, ob die Nachhilfe wirkt

Ob Nachhilfe wirkt, sehen Sie nach einigen Wochen an den Aufgaben, an der nächsten Arbeit und an der Haltung Ihres Kindes. Die britischen Auswertungen rechnen mit bis zu zehn Wochen regelmäßiger Förderung. Legen Sie deshalb vorher fest, wann Sie gemeinsam Bilanz ziehen.

  1. Vor dem Start: Klären Sie Lücke und Ziel mit der Fachlehrkraft und halten Sie beides schriftlich fest.
  2. Erste Stunde: Die Nachhilfe macht eine Lernstandsprobe mit der letzten Klassenarbeit.
  3. Woche 1 bis 6: Ihr Kind hat mehrmals pro Woche kurze Termine, und Sie bekommen nach jeder Stunde zwei Sätze Rückmeldung.
  4. Woche 6: Machen Sie einen Zwischencheck mit einer alten Arbeit und einem Gespräch mit Ihrem Kind.
  5. Woche 10: Ziehen Sie Bilanz. Ohne Fortschritt wechseln Sie die Person oder die Form, statt einfach weiterzumachen.

Mehr Stunden sind dabei nicht automatisch besser. In der deutschen Studie mit den Zehntklässlern waren Jugendliche mit sehr viel Mathe-Nachhilfe unzufriedener mit ihrer Schule. Auch beim längeren Schultag zählt laut den britischen Auswertungen vor allem, wie die Zeit genutzt wird, nicht wie viel Zeit es ist.

Häufige Fragen

Ist Nachhilfe bei schlechten Noten immer sinnvoll?

Nein, Nachhilfe ist bei schlechten Noten nicht immer sinnvoll. Sie hilft, wenn eine Lücke im Stoff die Ursache ist und die Nachhilfe gezielt daran arbeitet. Stecken eine Lernstörung, große Angst oder Überforderung in der Schulform dahinter, braucht Ihr Kind andere Hilfe.

Wie lange dauert es, bis Nachhilfe wirkt?

Nachhilfe wirkt in Studien am besten, wenn sie über einen festen Zeitraum von bis zu zehn Wochen läuft. Einen ersten Zwischencheck können Sie nach sechs Wochen machen. Sehen Sie dann keinen Fortschritt, wechseln Sie die Lehrkraft oder die Form.

Wie oft pro Woche sollte Nachhilfe stattfinden?

Nachhilfe wirkt am besten in kurzen Terminen mehrmals pro Woche. Für Einzelnachhilfe nennen britische Studienauswertungen etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche. Für Kleingruppen sind es etwa drei Termine pro Woche mit bis zu einer Stunde.

Bringt Nachhilfe etwas, wenn mein Kind schon gute Noten hat?

Für Kinder mit guten Noten ist ein Nutzen von Nachhilfe nicht belegt. Eine deutsche Studie mit 11.358 Zehntklässlern fand keinen Effekt auf die Noten, nur Jugendliche mit schwachen Noten profitierten minimal. Bei guten Noten lohnt eher ein Blick auf die Art, wie Ihr Kind zu Hause lernt.

Wer hilft, wenn Nachhilfe nach zehn Wochen nichts gebracht hat?

Wenn Nachhilfe nach zehn Wochen nichts gebracht hat, sprechen Sie zuerst mit der Klassenlehrkraft. Sie sieht Ihr Kind im Unterricht und kennt die Förderangebote der Schule. Bei anhaltenden Problemen im Lesen, Schreiben oder Rechnen klären Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, ob eine Lernstörung vorliegt.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Teaching and Learning Toolkit: One to one tuition, Education Endowment Foundation,
  2. Teaching and Learning Toolkit: Small group tuition, Education Endowment Foundation,
  3. Teaching and Learning Toolkit: Extending school time, Education Endowment Foundation,
  4. The Impressive Effects of Tutoring on PreK-12 Learning: A Systematic Review and Meta-Analysis of the Experimental Evidence, Working Paper 27476, Juli 2020, National Bureau of Economic Research, Andre Nickow, Philip Oreopoulos, Vincent Quan,
  5. Assessing the instructional quality of private tutoring and its effects on student outcomes: Analyses from the German National Educational Panel Study, British Journal of Educational Psychology 90 (2020), Karin Guill, Oliver Lüdtke, Olaf Köller, über PubMed Central,
  6. Nachhilfeunterricht in Deutschland: Ausmaß, Wirkung, Kosten, Studie von Klaus Klemm und Nicole Hollenbach-Biele, 27. Januar 2016, Bertelsmann Stiftung,
  7. Eltern geben jährlich rund 900 Millionen Euro für Nachhilfe aus, Meldung vom 27. Januar 2016, Bertelsmann Stiftung,
  8. Diagnostik der Legasthenie, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.,
  9. Bildungs- und Teilhabepaket, Lernförderung (Nachhilfe), Stadt Köln,

Einsatz von Sprachmodellen

Eine KI hat die wiederkehrenden Sätze auf den Seiten formuliert, die Ratgeber und das Glossar mitgeschrieben, Quellen gesucht und die Bilder erzeugt. Name, Adresse und Kontaktdaten der Nachhilfeanbieter stammen dagegen unverändert aus OpenStreetMap. Sie verarbeitet ein festes Programm und keine KI.

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Stand dieser Angaben: 4. Oktober 2026.