Wann ist Nachhilfe sinnvoll?
Nachhilfe ist sinnvoll, wenn Ihr Kind eine Lücke im Stoff hat, die sich benennen lässt. Das kann die Bruchrechnung sein, das Passiv in Englisch oder die Kommasetzung. Wer die Lücke kennt, kann sie gezielt schließen. Ohne benannte Lücke fehlt der Nachhilfe dagegen ein Ziel.
Wie Nachhilfe wirkt, hat die britische Education Endowment Foundation aus vielen Studien zusammengetragen. Danach bringt Einzelnachhilfe im Schnitt etwa 5 Monate zusätzlichen Lernfortschritt. Am besten wirken kurze Termine von etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche, über einen festen Zeitraum von bis zu 10 Wochen. Die Nachhilfe soll zusätzlich zum Unterricht stattfinden und eng mit ihm verbunden sein. In Deutschland bekamen nach einer Elternbefragung der Bertelsmann Stiftung 14 Prozent der Kinder zwischen 6 und 16 Jahren Nachhilfe.
- Die Lücke ist benannt, und die Lehrkraft der Schule sieht sie genauso.
- Die Nachhilfe arbeitet mit dem Stoff aus der Klasse, mit Heft, Schulbuch und der letzten Klassenarbeit.
- Die Termine sind kurz und häufig, nicht einmal pro Woche 90 Minuten.
- Es gibt ein Ziel mit Datum, etwa die nächste Klassenarbeit oder das Halbjahreszeugnis.
- Sie bekommen Rückmeldung, was geübt wurde und was noch fehlt.
Wie viel bringt Nachhilfe laut Studien?
Nachhilfe bringt in gut gemachten Studien einen deutlichen Lernvorsprung, aber nicht in jedem Fach und Alter gleich viel. Die Kleingruppe mit zwei bis fünf Kindern kommt im Schnitt auf vier Monate Vorsprung. Eine Auswertung von Dutzenden Experimenten durch Andre Nickow, Philip Oreopoulos und Vincent Quan aus dem Jahr 2020 nennt die Wirkung beständig und deutlich. Am stärksten war sie bei Lehrkräften und pädagogischen Hilfskräften, in den unteren Klassen und bei Förderung während der Schulzeit.
Der Lernvorsprung in den britischen Auswertungen reicht von 2 Monaten bis 6 Monaten. Einzelnachhilfe in der Grundschule bringt 6 Monate, in der weiterführenden Schule 4 Monate, die Kleingruppe in der weiterführenden Schule nur 2 Monate.
| Form der Nachhilfe | Zusätzlicher Lernfortschritt | Was das für Sie heißt |
|---|---|---|
| Einzelnachhilfe, Grundschule | 6 Monate | Früh helfen lohnt sich am meisten |
| Einzelnachhilfe, weiterführende Schule | 4 Monate | Wirkt weiter gut, wenn die Lücke klar ist |
| Kleingruppe mit 2 bis 5 Kindern, Grundschule | 4 Monate | Wirkt gut und kostet weniger |
| Kleingruppe, weiterführende Schule | 2 Monate | Gruppe nur bei gleichem Thema und Tempo |
| Einzelnachhilfe beim Lesen und Schreiben | 6 Monate | Beim Lesen wirkt Einzelarbeit besonders |
| Einzelnachhilfe in Mathematik | 2 Monate | In Mathe bringt die Kleingruppe 3 Monate |
Diese Zahlen gelten für Förderung mit Plan. Die Lehrkraft kennt die Lücke, arbeitet mit dem Unterricht zusammen und prüft den Fortschritt. Wo Hilfskräfte oder Freiwillige unterrichten, empfiehlt die Stiftung Schulung und einen festen Ablauf.
Warum gekaufte Nachhilfe oft keine bessere Note bringt
In großen deutschen Studien bringt gekaufte Nachhilfe im Schnitt keine besseren Noten. Karin Guill, Oliver Lüdtke und Olaf Köller werteten 2020 die Daten von 11.358 Jugendlichen der zehnten Klasse aus. Nachhilfe hatte im Schnitt keinen Effekt auf die Noten in Mathematik und Deutsch. Nur Jugendliche mit schwachen Noten profitierten minimal. Fühlten sie sich von der Nachhilfelehrkraft unterstützt, waren sie aber mit ihrer Schule zufriedener.
Die Studie der Bertelsmann Stiftung kommt zu einem ähnlichen Schluss. Die Teilnahme an Nachhilfe hängt danach nicht eindeutig mit besseren Noten zusammen. Mehr als jedes dritte Kind mit Mathe-Nachhilfe hatte dort sogar schon eine Note zwischen sehr gut und befriedigend.
Ein Grund für den Unterschied zu den guten Werten der britischen Auswertungen liegt in der Arbeitsweise. Dort wurden vor allem Programme mit Plan geprüft, mit geschulten Lehrkräften und enger Verbindung zum Unterricht. Eine Stunde pro Woche, in der jemand neben Ihrem Kind die Hausaufgaben macht, ist etwas anderes. Auch wie Ihr Kind zu Hause übt, zählt mit. Welche Lerntechniken für Schüler wirken, ist gut untersucht.
Wann Nachhilfe das falsche Mittel ist
Nachhilfe ist das falsche Mittel, wenn die Ursache keine Lücke im Stoff ist. Ziehen sich Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen trotz Übens über lange Zeit, kann eine Lernstörung dahinterstecken. Als Laie können Sie das nicht sicher erkennen, sagt der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie. Ob Ihr Kind Nachhilfe oder Lerntherapie braucht, klären Fachleute.
Hat Ihr Kind große Angst vor Prüfungen oder vor der Schule, hilft keine zusätzliche Stunde Stoff. Dann ist eine Fachstelle wie die Schulpsychologie der richtige Weg. Braucht Ihr Kind in mehreren Hauptfächern dauerhaft Nachhilfe, nur um mitzukommen, sprechen Sie mit der Schule auch über die Schulform. Und bietet die Schule selbst Förderunterricht an, nutzen Sie ihn zuerst, denn er ist in der Regel kostenlos.
Lässt sich die Schwierigkeit an einem Thema in einem Fach festmachen?
Bietet die Schule dafür Förderunterricht an, den Ihr Kind noch nicht nutzt?
Nutzen Sie zuerst den Förderunterricht. Er ist in der Regel kostenlos und kennt den Stoff der Klasse.
Nachhilfe passt. Suchen Sie eine Lehrkraft, die mit einer Lernstandsprobe beginnt und ein Ziel mit Datum nennt.
Hat Ihr Kind trotz Übens seit Monaten Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen?
Lassen Sie eine Lernstörung fachlich abklären. Nachhilfe allein löst das Problem nicht.
Sprechen Sie mit der Klassenlehrkraft über Angst, Motivation oder die Schulform. Eine Fachstelle wie die Schulpsychologie hilft weiter.
Woran Sie sehen, ob die Nachhilfe wirkt
Ob Nachhilfe wirkt, sehen Sie nach einigen Wochen an den Aufgaben, an der nächsten Arbeit und an der Haltung Ihres Kindes. Die britischen Auswertungen rechnen mit bis zu zehn Wochen regelmäßiger Förderung. Legen Sie deshalb vorher fest, wann Sie gemeinsam Bilanz ziehen.
- Vor dem Start: Klären Sie Lücke und Ziel mit der Fachlehrkraft und halten Sie beides schriftlich fest.
- Erste Stunde: Die Nachhilfe macht eine Lernstandsprobe mit der letzten Klassenarbeit.
- Woche 1 bis 6: Ihr Kind hat mehrmals pro Woche kurze Termine, und Sie bekommen nach jeder Stunde zwei Sätze Rückmeldung.
- Woche 6: Machen Sie einen Zwischencheck mit einer alten Arbeit und einem Gespräch mit Ihrem Kind.
- Woche 10: Ziehen Sie Bilanz. Ohne Fortschritt wechseln Sie die Person oder die Form, statt einfach weiterzumachen.
Mehr Stunden sind dabei nicht automatisch besser. In der deutschen Studie mit den Zehntklässlern waren Jugendliche mit sehr viel Mathe-Nachhilfe unzufriedener mit ihrer Schule. Auch beim längeren Schultag zählt laut den britischen Auswertungen vor allem, wie die Zeit genutzt wird, nicht wie viel Zeit es ist.
Häufige Fragen
Ist Nachhilfe bei schlechten Noten immer sinnvoll?
Nein, Nachhilfe ist bei schlechten Noten nicht immer sinnvoll. Sie hilft, wenn eine Lücke im Stoff die Ursache ist und die Nachhilfe gezielt daran arbeitet. Stecken eine Lernstörung, große Angst oder Überforderung in der Schulform dahinter, braucht Ihr Kind andere Hilfe.
Wie lange dauert es, bis Nachhilfe wirkt?
Nachhilfe wirkt in Studien am besten, wenn sie über einen festen Zeitraum von bis zu zehn Wochen läuft. Einen ersten Zwischencheck können Sie nach sechs Wochen machen. Sehen Sie dann keinen Fortschritt, wechseln Sie die Lehrkraft oder die Form.
Wie oft pro Woche sollte Nachhilfe stattfinden?
Nachhilfe wirkt am besten in kurzen Terminen mehrmals pro Woche. Für Einzelnachhilfe nennen britische Studienauswertungen etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche. Für Kleingruppen sind es etwa drei Termine pro Woche mit bis zu einer Stunde.
Bringt Nachhilfe etwas, wenn mein Kind schon gute Noten hat?
Für Kinder mit guten Noten ist ein Nutzen von Nachhilfe nicht belegt. Eine deutsche Studie mit 11.358 Zehntklässlern fand keinen Effekt auf die Noten, nur Jugendliche mit schwachen Noten profitierten minimal. Bei guten Noten lohnt eher ein Blick auf die Art, wie Ihr Kind zu Hause lernt.
Wer hilft, wenn Nachhilfe nach zehn Wochen nichts gebracht hat?
Wenn Nachhilfe nach zehn Wochen nichts gebracht hat, sprechen Sie zuerst mit der Klassenlehrkraft. Sie sieht Ihr Kind im Unterricht und kennt die Förderangebote der Schule. Bei anhaltenden Problemen im Lesen, Schreiben oder Rechnen klären Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, ob eine Lernstörung vorliegt.
