Wann Nachhilfe reicht und wann ein Schulwechsel besser ist
Nachhilfe hilft, wenn Ihrem Kind Stoff fehlt, den es mit gezielter Übung aufholen kann. Das ist meist so, wenn ein oder zwei Fächer wackeln und die Lehrkraft die Lücke benennen kann. Ein Wechsel der Schule ist oft die bessere Wahl, wenn Ihr Kind in vielen Fächern über Monate nicht mitkommt. Das gilt erst recht, wenn es schon einmal wiederholt hat oder die Schule zu einem Wechsel rät.
In Hamburg sind zum Schuljahr 2024/25 799 Kinder nach Klasse 6 vom Gymnasium auf eine Stadtteilschule gewechselt, das sind 9,4 Prozent des Jahrgangs. Die Stadtteilschule ist dort die zweite Schulform neben dem Gymnasium.
Fehlt Ihrem Kind die Note in höchstens zwei Fächern, und kann die Lehrkraft die Lücke benennen?
Bleiben bis zur Versetzung noch mindestens zehn Wochen?
Versuchen Sie es mit gezielter Nachhilfe, zwei- bis dreimal pro Woche. Prüfen Sie nach sechs Wochen mit der Lehrkraft, ob sie wirkt.
Sprechen Sie sofort mit der Schule über eine Nachprüfung oder die Wiederholung. Planen Sie die Nachhilfe für die Zeit danach.
Hat Ihr Kind schon einmal wiederholt, oder rät die Schule zu einem Wechsel?
Prüfen Sie den Wechsel ernsthaft und lassen Sie sich von der Schule beraten. Ein zweites Wiederholen ist in Bayern und Nordrhein-Westfalen in der Regel nicht erlaubt.
Klären Sie mit der Klassenleitung zuerst die Ursache. Fehlt es in vielen Fächern, ist ein Wechsel oft der ruhigere Weg.
Wann Ihr Kind das Gymnasium verlassen muss
Ob Ihr Kind am Gymnasium bleiben darf, regelt jedes Bundesland selbst. Muss ein Kind das Gymnasium auf Beschluss der Schule verlassen, nennt man das oft Abschulung. In Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin gelten dafür verschiedene Regeln.
| Land | Wann die Schule entscheidet | Was dann gilt |
|---|---|---|
| Hamburg | am Ende von Klasse 6 | Ihr Kind bleibt, wenn es in Deutsch, Mathe und Englisch mindestens ausreichend hat, im Schnitt der übrigen Fächer auch, und in höchstens zwei Fächern schlechter steht. Sonst geht es in Klasse 7 einer Stadtteilschule. |
| Nordrhein-Westfalen | am Ende von Klasse 6 | Wer nicht versetzt wird, darf Klasse 6 nur wiederholen, wenn die Lehrkräfte danach die Versetzung erwarten. Sonst wechselt Ihr Kind in Klasse 7 einer anderen Schulform, etwa der Realschule, und Sie wählen die Schulform. |
| Bayern | wenn ein zweites Wiederholen nötig wäre | Ihr Kind muss gehen, wenn es dieselbe Klasse zweimal wiederholen müsste, nach einer Wiederholung auch die nächste Klasse nicht schafft oder in Klasse 5 bis 7 zum zweiten Mal nicht vorrücken darf. Die Lehrerkonferenz kann davon befreien, wenn der Misserfolg nicht an fehlender Eignung lag. |
| Berlin | vor dem Eintritt ins Gymnasium | Das Probejahr am Gymnasium gibt es seit dem Schuljahr 2025/26 nicht mehr. Eine Eignungsfeststellung prüft vorher, ob Ihr Kind aufs Gymnasium passt. |
Nach Klasse 6 wechselt ein Kind in Nordrhein-Westfalen die Schulform in der Regel nur noch, wenn die Eltern es beantragen.
So läuft der Wechsel vom Gymnasium zur Realschule
Einen Wechsel auf eigenen Wunsch beantragen Sie bei der bisherigen Schule. In Nordrhein-Westfalen geht das bis zum Ende von Klasse 8, jeweils zum Beginn des nächsten Schuljahres. Die Lehrkräfte prüfen in der Versetzungskonferenz, ob Ihr Kind für die neue Schulform geeignet ist und in welche Klasse es kommt. Einen Anspruch auf einen Platz an einer bestimmten Schule gibt es dabei nicht.
Ein Wechsel kann Ihrem Kind ein Jahr Wiederholen ersparen. Wird es in Nordrhein-Westfalen am Gymnasium nicht versetzt und wechselt zur Realschule, kommt es dort in die nächsthöhere Klasse, wenn es die Versetzungsregeln der Realschule erfüllt. Sonst nimmt die Realschule Ihr Kind auf Probe auf und entscheidet in der zwölften Unterrichtswoche.
In Bayern kann Ihr Kind vom Gymnasium an die Realschule wechseln, auch in eine höhere Klasse als Klasse 5. Eine Aufnahmeprüfung braucht es nicht, wenn es am Gymnasium vorrücken durfte, auch auf Probe. Dasselbe gilt, wenn im Jahreszeugnis höchstens eine Fünf steht, gezählt in den Fächern, die es auch an der Realschule gibt. Durfte Ihr Kind am Gymnasium vorrücken, entfällt an der Realschule auch die Probezeit.
- Sprechen Sie mit der Klassenleitung über Noten, Arbeitsverhalten und die Einschätzung der Lehrkräfte.
- Nutzen Sie die Beratung der Schule, in Bayern etwa die Beratungslehrkraft, die es an jeder Schule gibt.
- Stellen Sie den Antrag rechtzeitig, in Nordrhein-Westfalen spätestens bis zum Ende von Klasse 8.
- Planen Sie an der neuen Schule Hilfe für die Fächer ein, in denen Stoff fehlt.
Warum Sitzenbleiben im Schnitt Lernzeit kostet
Sitzenbleiben bringt im Schnitt keinen Vorsprung, sondern kostet Lernzeit. Die Education Endowment Foundation ist eine britische Stiftung, die Studien zur Förderung von Schulkindern auswertet. Sie kommt bei Kindern, die eine Klasse wiederholen, auf 2 Monate weniger Lernfortschritt als bei ähnlichen Kindern, die aufrücken. In weiterführenden Schulen sind es sogar 4 Monate weniger. Die meisten dieser Studien stammen aus den USA.
Kinder, die wiederholen, holen ähnlich starke Mitschüler, die aufgerückt sind, nach den Studien meist nicht mehr ein. Sie brechen die Schule außerdem häufiger ab. Die Stiftung rät deshalb, Kinder mit Rückstand früh und intensiv zu fördern, etwa mit Einzelunterricht. Dann kann das Wiederholen unnötig werden.
Was Nachhilfe vor einem Schulwechsel noch leisten kann
Nachhilfe kann eine einzelne Note retten, wenn genug Zeit bleibt. Am besten wirkt Einzelunterricht nach der britischen Stiftung in kurzen Einheiten von etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche, über bis zu 10 Wochen.
In Nordrhein-Westfalen bekommt ein Kind, dessen Versetzung gefährdet ist, zum Halbjahr eine Lern- und Förderempfehlung der Schule. Sie soll helfen, die erkannten Lücken bis zur Versetzung zu schließen. Geben Sie diese Empfehlung der Nachhilfe, damit sie genau daran arbeitet.
Am Gymnasium in Bayern kann die Lehrerkonferenz ein Kind auf Probe in die nächste Klasse lassen, wenn die Eltern einverstanden sind. Die Probezeit dauert in der Regel bis zum 15. Dezember. Nutzen Sie diese Wochen für gezielte Nachhilfe.
Für die letzten Wochen vor dem Zeugnis hilft ein Zeitplan für eine bessere Note, der vom Termin rückwärts rechnet. Je früher die Hilfe beginnt, desto mehr Zeit bleibt bis zur Entscheidung der Schule. Klären Sie deshalb früh, ab welcher Klasse Nachhilfe für Ihr Kind sinnvoll ist.
Abitur bleibt auch nach dem Schulwechsel möglich
Ein Wechsel vom Gymnasium ist keine Entscheidung gegen das Abitur. In Hamburg führt auch die Stadtteilschule zum Abitur, dort nach neun Jahren statt nach acht wie am Gymnasium.
In Bayern kann Ihr Kind nach dem Mittleren Schulabschluss, also dem Abschluss nach Klasse 10, über eine Einführungsklasse ans Gymnasium wechseln. Dafür braucht es im Abschlusszeugnis einen Schnitt von 2,00 oder besser aus Deutsch, Englisch und Mathematik. Ist der Schnitt schlechter, muss die bisherige Schule die Eignung in einem Gutachten bestätigen.
In Nordrhein-Westfalen berät die Realschule die Eltern über einen Wechsel nach oben, wenn ein Kind bei der Versetzung in den Fächern mit Klassenarbeiten einen Schnitt von 2,0 erreicht. Für den Wechsel zurück an ein Gymnasium mit neun Jahren braucht Ihr Kind ab Klasse 7 Unterricht in einer zweiten Fremdsprache. Behalten Sie diese Sprache deshalb an der Realschule bei, wenn ein Weg zurück infrage kommt.
Häufige Fragen
Muss mein Kind das Gymnasium verlassen, wenn es sitzen bleibt?
Nicht unbedingt, denn einmal wiederholen ist am Gymnasium meist erlaubt. In Bayern muss ein Kind das Gymnasium unter anderem dann verlassen, wenn es dieselbe Klasse zweimal oder zwei Klassen nacheinander wiederholen müsste. In Nordrhein-Westfalen darf ein Kind am Ende von Klasse 6 nur wiederholen, wenn die Lehrkräfte danach die Versetzung erwarten.
Bis wann kann mein Kind in Nordrhein-Westfalen vom Gymnasium auf die Realschule wechseln?
In Nordrhein-Westfalen können Eltern den Wechsel vom Gymnasium auf die Realschule bis zum Ende von Klasse 8 beantragen, jeweils zum nächsten Schuljahr. Die Lehrkräfte der bisherigen Klasse prüfen, ob Ihr Kind für die Realschule geeignet ist und in welche Klasse es kommt. Spätestens zu Beginn von Klasse 8 informiert die Schule über diese letzte Möglichkeit.
Was passiert in Hamburg nach Klasse 6 am Gymnasium?
Am Ende von Klasse 6 entscheidet in Hamburg die Lehrerkonferenz, ob ein Kind am Gymnasium bleibt. Dafür braucht es in Deutsch, Mathe und Englisch mindestens ausreichend, im Schnitt der übrigen Fächer auch, und darf in höchstens zwei Fächern schlechter stehen. Sonst wechselt es in Klasse 7 einer Stadtteilschule, zum Schuljahr 2024/25 betraf das 9,4 Prozent.
Hilft Sitzenbleiben einem Kind, den Stoff aufzuholen?
Im Schnitt nein, Sitzenbleiben kostet eher Lernzeit. Nach britischen Studienauswertungen machen Kinder, die wiederholen, 2 Monate weniger Lernfortschritt als ähnliche Kinder, die aufrücken, in weiterführenden Schulen 4 Monate weniger. Frühe und intensive Förderung wie Einzelunterricht kann das Wiederholen unnötig machen.
