Deutsch ist das dritthäufigste Fach für Nachhilfe
Deutsch ist nach Mathe und den Fremdsprachen das dritthäufigste Fach für Nachhilfe. In einer Elternbefragung der Bertelsmann Stiftung zum Schuljahr 2014/15 hatten 31 Prozent der Nachhilfekinder Nachhilfe in Deutsch. Fast 40 Prozent von ihnen standen in Deutsch auf einer Drei oder besser.
Ein Teil der Familien will mit Nachhilfe eine ordentliche Note verbessern, etwa vor dem Wechsel auf eine höhere Schule. Bei anderen geht es darum, eine schwache Note zu retten. 44 Prozent der Deutsch-Nachhilfekinder hatten eine Vier, 11 Prozent eine Fünf oder Sechs.
Der Mindeststandard ist die Untergrenze, die alle Kinder einer Klassenstufe erreichen sollen. In Klasse 9 misst er, was Jugendliche bis zum Mittleren Schulabschluss nach Klasse 10 mindestens können sollen.
Woraus die Deutschnote besteht
Die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz, in der die Länder ihre Schulpolitik abstimmen, teilen Deutsch in fünf Bereiche. Dazu gehören Sprechen und Zuhören, Schreiben und Lesen. Hinzu kommen der Umgang mit Texten und Medien und das Untersuchen von Sprache und Grammatik.
Rechtschreibung ist ein Teil des Schreibens. Zum Schreiben gehören außerdem flüssiges Formulieren sowie das Verfassen und Überarbeiten eigener Texte. Beim Lesen geht es um die Lesetechnik und darum, Texte zu verstehen und mit eigenem Wissen zu verbinden.
Rechtschreibung zählt auch außerhalb von Deutsch. In Nordrhein-Westfalen müssen häufige Verstöße gegen die sprachliche Richtigkeit in allen Fächern angemessen in die Note einfließen. Dabei berücksichtigt die Lehrkraft Alter, Ausbildungsstand und Herkunftssprache des Kindes. Am Ende der Klasse 10 schreiben die Schüler dort außerdem eine zentrale Prüfung in Deutsch.
Wo Kinder in Deutsch den Mindeststandard verfehlen
Was Kinder mindestens können sollen, haben die Länder als Mindeststandard festgelegt. Der Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen prüft das in allen Ländern, in Klasse 4 und in Klasse 9. Für Klasse 9 gilt dabei die Grenze für den Mittleren Schulabschluss, den Abschluss nach Klasse 10.
Die Anteile reichen von gut 18 Prozent beim Zuhören in Klasse 4 bis fast 34 Prozent beim Zuhören in Klasse 9. In der Rechtschreibung verfehlten rund 30 Prozent der Viertklässler den Mindeststandard, in Klasse 9 rund 22 Prozent.
| Bereich | Klasse 4, Jahr 2021 | Klasse 9, Jahr 2022 |
|---|---|---|
| Lesen | fast 19 Prozent | etwa 33 Prozent |
| Zuhören | gut 18 Prozent | fast 34 Prozent |
| Rechtschreibung | rund 30 Prozent | rund 22 Prozent |
In Klasse 9 ist der Anteil unter dem Mindeststandard zwischen 2015 und 2022 um rund 9 bis 16 Prozentpunkte gestiegen. Das Schreiben eigener Texte hat die Studie nicht gemessen. Wie Ihr Kind Aufsätze schreibt, zeigen die Klassenarbeiten.
Welche Deutsch-Nachhilfe bei welcher Schwäche hilft
Gute Nachhilfe in Deutsch beginnt mit einem Blick in die letzten zwei Klassenarbeiten. Dort sieht die Lehrkraft, ob die Punkte bei der Rechtschreibung, beim Textverstehen oder beim Aufbau eines Textes verloren gehen. Danach richtet sich, was in den Stunden geübt wird.
| Schwäche | Woran Sie sie erkennen | Was die Nachhilfe übt |
|---|---|---|
| Rechtschreibung und Zeichensetzung | viele Fehler bei sonst gutem Inhalt | Rechtschreibregeln und Strategien, Nachschlagen, eigene Texte gezielt auf Fehler prüfen |
| Leseverstehen | Fragen zum Text bleiben falsch oder unbeantwortet | Lesestrategien für vor, während und nach dem Lesen |
| Aufsatz und Textanalyse | der Inhalt stimmt, aber Aufbau und Begründung fehlen | einen Text planen, schreiben und nach festen Merkmalen überarbeiten |
| Zuhören und Sprechen | die mündliche Note ist schwächer als die schriftliche | Vorträge und Gespräche üben, Gehörtes in eigenen Worten wiedergeben |
| Deutsch als Zweitsprache | Wörter und Satzbau fehlen in allen Fächern | zuerst Sprachförderung, dann der Stoff des Deutschunterrichts |
Deutsch als Zweitsprache braucht zuerst Sprachförderung
Lernt Ihr Kind Deutsch als zweite Sprache, können ihm Wörter und Satzbau in allen Fächern fehlen. Die Bildungsstandards der Länder halten fest: Für Kinder mit geringen Deutschkenntnissen bleibt intensive Sprachförderung auch nach der Grundschule sehr wichtig für den Lernerfolg. Diese Förderung heißt Deutsch als Zweitsprache.
In Nordrhein-Westfalen muss die Schule selbst Angebote zum Erwerb der deutschen Sprache machen. Reichen sie nicht, bewilligt das Jobcenter Kreis Kleve zusätzliche Förderung über das Bildungspaket für Familien, die dort Leistungen bekommen. Eine zeitliche Grenze gibt es dabei nicht. Die Schule bestätigt den Bedarf auf einem Fragebogen.
Für die Nachhilfe heißt das: Zuerst kommt die Sprache, dann der Fachstoff. Eine Deutsch-Nachhilfe, die nur Aufsatzformen übt, hilft wenig, solange Ihrem Kind die Wörter für den Inhalt fehlen.
So läuft eine Deutsch-Nachhilfe mit klarem Ziel
Eine Deutsch-Nachhilfe mit Ziel folgt einem festen Ablauf. Die britische Education Endowment Foundation wertet Studien zur Förderung von Schülern aus. Sie fand die beste Wirkung bei kurzen, regelmäßigen Terminen über bis zu zehn Wochen, die eng mit dem Unterricht verknüpft sind.
Fehler sammeln
Lehrkraft und Kind gehen die letzten zwei Klassenarbeiten durch und ordnen jeden Fehler einem Bereich zu. Das geschieht in der ersten Stunde.
Schwerpunkt wählen
Der Bereich, der die meisten Punkte kostet, kommt zuerst. Ein zweiter Bereich folgt erst, wenn der erste sitzt.
Mit dem Stoff aus dem Unterricht üben
Die Nachhilfe nutzt Texte und Themen aus der aktuellen Unterrichtsreihe. So übt Ihr Kind genau das, was in der nächsten Klassenarbeit drankommt.
Kurz und häufig arbeiten
Mehrere kurze Termine pro Woche passen besser als ein langer. In der Studienauswertung wirkten etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche, am besten.
Nach zehn Wochen prüfen
Sie vergleichen die neue Klassenarbeit mit den alten Fehlern. Bleibt der Fortschritt aus, wechseln Sie den Schwerpunkt oder lassen die Ursache klären.
Spricht Ihr Kind zu Hause eine andere Sprache, und fehlen ihm Wörter in allen Fächern?
Fragen Sie die Schule nach Sprachförderung in Deutsch als Zweitsprache. Nachhilfe im Stoff des Deutschunterrichts kommt danach.
Bleiben Lesen und Rechtschreibung trotz Übens seit langer Zeit deutlich schwach?
Lassen Sie von einer Fachstelle klären, ob eine Lese-Rechtschreibstörung vorliegt, bevor Sie Nachhilfe buchen.
Buchen Sie Nachhilfe in Deutsch mit Schwerpunkt auf dem Bereich, der in den Klassenarbeiten die meisten Punkte kostet.
Häufige Fragen
Hilft Nachhilfe bei schlechter Rechtschreibung?
Ja, Nachhilfe hilft bei schlechter Rechtschreibung, wenn sie Rechtschreibstrategien, Nachschlagen und das Prüfen eigener Texte übt. Genau diese Fähigkeiten beschreiben die Bildungsstandards der Länder für die Rechtschreibung. Bleibt die Rechtschreibung trotz regelmäßigen Übens lange schwach, klärt eine Fachstelle die Ursache.
Zählen Rechtschreibfehler auch in anderen Fächern als Deutsch?
In Nordrhein-Westfalen zählen Rechtschreibfehler auch in anderen Fächern. Häufige Verstöße gegen die sprachliche Richtigkeit fließen dort in allen Fächern angemessen in die Note ein. Die Lehrkraft berücksichtigt dabei Alter, Ausbildungsstand und Herkunftssprache des Kindes.
Was ist der Unterschied zwischen Deutsch-Nachhilfe und Deutsch als Zweitsprache?
Deutsch-Nachhilfe übt den Stoff des Deutschunterrichts, etwa Rechtschreibung, Lesen oder Aufsatz. Deutsch als Zweitsprache ist Sprachförderung für Kinder, die Deutsch neben einer anderen Familiensprache lernen und denen Wörter und Satzbau fehlen. Diese Förderung kommt zuerst, weil sie in allen Fächern wirkt.
Zahlt das Bildungspaket Deutschförderung für Kinder mit anderer Muttersprache?
Im Kreis Kleve zahlt das Bildungspaket Deutschförderung für Kinder mit anderer Muttersprache, wenn das Angebot der Schule nicht reicht. Das Jobcenter dort setzt dafür keine zeitliche Grenze, und die Schule bestätigt den Bedarf auf einem Fragebogen. Wie Ihre Stadt oder Ihr Landkreis das regelt, erfahren Sie bei der Stelle, die Ihre Leistungen zahlt.
Wie viele Kinder verfehlen in Deutsch den Mindeststandard?
In der Rechtschreibung verfehlten 2021 rund 30 Prozent der Viertklässler den Mindeststandard in Deutsch. In Klasse 9 lagen 2022 beim Lesen etwa 33 Prozent und beim Zuhören fast 34 Prozent unter der Grenze für den Mittleren Schulabschluss. Die Zahlen stammen aus dem Bildungstrend, der alle Länder vergleicht.
