Mathe ist das häufigste Fach für Nachhilfe
Mathe ist das Fach, in dem Kinder in Deutschland am häufigsten Nachhilfe bekommen. Danach folgen die Fremdsprachen und Deutsch. Das zeigt eine Befragung von rund 4.300 Eltern, die Klaus Klemm und Nicole Hollenbach-Biele für die Bertelsmann Stiftung ausgewertet haben. Die Eltern machten ihre Angaben zum Schuljahr 2014/15.
Von allen Kindern mit Nachhilfe lernten 61 Prozent Mathe, 46 Prozent eine Fremdsprache und 31 Prozent Deutsch. Nur 6 Prozent hatten Nachhilfe in einem anderen Fach. Zusammen sind das weit mehr als 100 Prozent, weil viele Kinder in mehreren Fächern Hilfe bekommen.
Insgesamt hatten 14 Prozent der Schulkinder zwischen 6 und 16 Jahren Nachhilfe. In der Grundschule waren es knapp 5 Prozent, an den weiterführenden Schulen rund 18 Prozent. Die internationale Schulstudie PISA zeigte 2012 bei 15-Jährigen ein ähnliches Bild. In Deutschland hatten 28,6 Prozent von ihnen zusätzlichen Unterricht in Mathe, 16,0 Prozent in Deutsch und 15,3 Prozent in den Naturwissenschaften.
Nachhilfe bekommen auch Kinder mit einer Drei
Viele Kinder mit Nachhilfe stehen im Fach auf einer Drei oder besser. In Mathe traf das auf 34 Prozent der Nachhilfekinder zu, in Deutsch auf fast 40 Prozent. Nach der Studie wollen viele Familien damit ihre Chancen beim nächsten Schulwechsel verbessern, etwa nach der Grundschule.
Die Anteile reichen von 2 Prozent mit einer Fünf oder Sechs in den übrigen Fächern bis 55 Prozent mit einer Vier in den Fremdsprachen. In Mathe stand die Hälfte der Nachhilfekinder auf einer Vier, also 50 Prozent. Weitere 13 Prozent hatten eine Fünf oder Sechs.
| Nachhilfefach | Eins oder Zwei | Drei | Vier | Fünf oder Sechs |
|---|---|---|---|---|
| Deutsch | 8 Prozent | 31 Prozent | 44 Prozent | 11 Prozent |
| Mathe | 8 Prozent | 26 Prozent | 50 Prozent | 13 Prozent |
| Fremdsprache | 9 Prozent | 24 Prozent | 55 Prozent | 12 Prozent |
| Andere Fächer | 26 Prozent | 50 Prozent | 19 Prozent | 2 Prozent |
Was Nachhilfe in jedem Fach anders macht
Jedes Fach hat eigene Stolpersteine, und gute Nachhilfe sucht zuerst dort. Die britische Education Endowment Foundation wertet Studien zur Förderung von Schülern aus. Sie rät, vor dem Üben die Lücke des Kindes zu ermitteln und danach den Stoff auszuwählen.
| Fach | Woran die Note hängen kann | Was die Nachhilfe zuerst prüft |
|---|---|---|
| Mathe | Brüche aus Klasse 5 und 6 fehlen später bei Gleichungen und Funktionen | Aufgaben aus früheren Klassen, bis die Lücke gefunden ist |
| Englisch | Wortschatz und die Fertigkeiten Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen | welcher Teil der Note fehlt, der schriftliche oder der mündliche |
| Deutsch | Rechtschreibung, Leseverstehen oder das Schreiben eigener Texte | ob die Fehler im Schreiben oder im Verstehen liegen und ob Deutsch die Zweitsprache ist |
| Physik | Formeln umstellen, mit Einheiten rechnen, Textaufgaben lösen | ob die nötige Mathe sitzt |
| Latein | Formen, Vokabeln und das Übersetzen in festen Schritten | ob die Note für das Latinum reicht, eine Bescheinigung über Lateinkenntnisse |
In jedem Fach gilt dieselbe Reihenfolge. Zuerst findet die Lehrkraft die Lücke, dann übt Ihr Kind gezielt genau diesen Stoff. Nach einigen Wochen prüfen Sie gemeinsam, ob sich die Arbeiten verbessern.
Mathe und Deutsch zeigen die größten Lücken
Die Kultusministerkonferenz, in der die Länder ihre Schulpolitik abstimmen, legt fest, was Jugendliche bis zum Mittleren Schulabschluss nach Klasse 10 mindestens können sollen. Diese Untergrenze heißt Mindeststandard. Ob Neuntklässler sie erreichen, prüft der Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in allen 16 Ländern. Bis zum Abschluss haben die Jugendlichen dann noch ein Jahr Zeit.
Die Anteile reichen von rund 14 Prozent beim Hörverstehen in Englisch bis ungefähr 34 Prozent in Mathe. Beim Zuhören in Deutsch verfehlten fast 34 Prozent den Mindeststandard, beim Lesen in Deutsch etwa 33 Prozent.
| Fach und Bereich | Unter dem Mindeststandard | Jahr der Messung |
|---|---|---|
| Mathe | ungefähr 34 Prozent | 2024 |
| Deutsch, Zuhören | fast 34 Prozent | 2022 |
| Deutsch, Lesen | etwa 33 Prozent | 2022 |
| Englisch, Lesen | knapp 24 Prozent | 2022 |
| Deutsch, Rechtschreibung | rund 22 Prozent | 2022 |
| Englisch, Hören | rund 14 Prozent | 2022 |
Englisch schneidet in diesem Vergleich am besten ab. Für Physik misst die Studie nur Jugendliche, die mindestens den Mittleren Schulabschluss anstreben. Von ihnen verfehlten 2024 insgesamt 16 Prozent den Mindeststandard.
Liegt das Problem im Fach oder im Lernen?
Ein Problem im Fach erkennen Sie daran, dass die Note in einem Fach sinkt und sich die Lücke benennen lässt. Das können die Brüche in Mathe sein oder die Zeitformen in Englisch. Dann hilft Nachhilfe, die genau dort ansetzt.
Sinken die Noten in mehreren Fächern zugleich, sprechen Sie zuerst mit der Klassenlehrkraft. Manchmal liegt es dann an der Art, wie Ihr Kind lernt. Eine Auswertung von zehn Lerntechniken aus dem Jahr 2013 bewertete zwei als besonders nützlich. Das sind Üben mit Testfragen und Lernen in verteilten Portionen. Wiederlesen und Markieren verbessern die Leistung dagegen nicht verlässlich. Welche Lerntechniken für Schüler helfen, lässt sich zu Hause üben.
Bleiben Lesen, Schreiben oder Rechnen trotz Übens lange schwach, oder hat Ihr Kind große Angst vor Prüfungen, klärt eine Fachstelle die Ursache. Nachhilfe übt Stoff. Eine Lernstörung oder eine Angst behandelt sie nicht.
Ist die Note in einem einzelnen Fach gesunken, und lässt sich die Lücke benennen?
Bietet die Schule für dieses Fach eine Fördergruppe an, die Ihr Kind noch nicht nutzt?
Nutzen Sie zuerst die Fördergruppe der Schule. Reicht sie nach einigen Wochen nicht, kommt Nachhilfe im Fach dazu.
Buchen Sie Nachhilfe im Fach, die mit einer Prüfung der Lücke beginnt. Legen Sie Ziel und Termin für den ersten Zwischenstand fest.
Bleiben Lesen, Schreiben oder Rechnen seit langer Zeit trotz Übens schwach?
Lassen Sie die Ursache von einer Fachstelle klären, bevor Sie Nachhilfe buchen.
Sprechen Sie mit der Klassenlehrkraft über Lernweise, Motivation und Belastung. Nachhilfe in jedem einzelnen Fach ist dann nicht der erste Schritt.
Wie viel Nachhilfe pro Woche üblich ist
Die meisten Kinder haben eine oder zwei Stunden Nachhilfe pro Woche. In der Elternbefragung hatten 39 Prozent eine Stunde zu 45 Minuten und weitere 39 Prozent zwei Stunden. Drei Stunden hatten 11 Prozent, vier oder mehr ebenfalls 11 Prozent. Fördergruppen der Schule sind für Eltern nach der Studie in der Regel kostenfrei.
Die Studien der britischen Stiftung sehen die beste Wirkung bei kurzen und häufigen Terminen. Einzelunterricht wirkte am besten mit etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche, über bis zu zehn Wochen.
Unterrichtet werden die Kinder von sehr verschiedenen Menschen. Weil manche mehrere Angebote nutzen, ergeben die Anteile zusammen mehr als 100 Prozent.
- Lehrkräfte unterrichteten 30 Prozent der Nachhilfekinder.
- Ältere Schüler oder Studierende unterrichteten ebenfalls 30 Prozent.
- Nachhilfeinstitute betreuten 27 Prozent.
- Menschen aus dem privaten Umfeld halfen 21 Prozent.
- Lernangebote am Computer nutzten 4 Prozent.
Beim Bildungspaket zählt für den Preis, wer unterrichtet, nicht das Fach. Das Jobcenter Kreis Kleve erkennt je 45 Minuten Einzelunterricht 22,50 Euro für eine Lehrkraft oder ein Institut an. Für Studierende sind es 16,50 Euro, für ältere Schüler 10,95 Euro. Mit diesen Werten können Sie auch die Kosten für Nachhilfe bei Instituten und privaten Lehrkräften einordnen.
Häufige Fragen
In welchem Fach bekommen Schüler am häufigsten Nachhilfe?
Mathe ist das häufigste Nachhilfefach. In der Elternbefragung der Bertelsmann Stiftung zum Schuljahr 2014/15 lernten 61 Prozent der Nachhilfekinder Mathe. Danach folgten die Fremdsprachen mit 46 Prozent und Deutsch mit 31 Prozent.
Bekommen nur Kinder mit schlechten Noten Nachhilfe?
Nein, viele Kinder mit Nachhilfe stehen im Fach auf einer Drei oder besser. In Mathe traf das auf 34 Prozent der Nachhilfekinder zu, in Deutsch auf fast 40 Prozent. Ein Teil der Familien will mit Nachhilfe die Chancen beim Wechsel auf eine höhere Schule verbessern.
Wie viele Schüler in Deutschland haben Nachhilfe?
14 Prozent der Schulkinder zwischen 6 und 16 Jahren hatten im Schuljahr 2014/15 Nachhilfe. Die Bertelsmann Stiftung schätzt die Zahl auf rund 1,2 Millionen Schüler. In der Grundschule lag der Anteil bei knapp 5 Prozent, an weiterführenden Schulen bei rund 18 Prozent.
Hängt der Preis für Nachhilfe vom Fach ab?
Beim Bildungspaket im Kreis Kleve hängt der Preis nicht vom Fach ab, sondern von der Person, die unterrichtet. Das Jobcenter erkennt für eine Lehrkraft 22,50 Euro je 45 Minuten an, für Studierende 16,50 Euro. Bei privaten Anbietern fragen Sie den Preis für Ihr Fach im schriftlichen Angebot nach.
Wie viele Stunden Nachhilfe pro Woche sind üblich?
Üblich sind eine oder zwei Stunden Nachhilfe pro Woche. Je 39 Prozent der Nachhilfekinder hatten eine oder zwei Stunden zu 45 Minuten. Studien sehen die beste Wirkung bei kurzen Terminen von etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche, über bis zu zehn Wochen.
