Was das Latinum ist und wer es braucht
Das Latinum ist eine Bescheinigung über Lateinkenntnisse. Wer es hat, kann nach der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz lateinische Originaltexte verstehen und in angemessenes Deutsch übersetzen. Gemeint sind anspruchsvolle Stellen aus politischen Reden, Philosophie und Geschichtsschreibung. Dafür braucht Ihr Kind sichere Formen und sicheren Satzbau, einen ausreichenden Wortschatz und Wissen über das alte Rom.
Für zahlreiche Studiengänge verlangen Hochschulen das Latinum, und jede Universität legt eigene Bedingungen fest. So beschreibt es das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen. Für das Lehramt bestimmen staatliche Prüfungsordnungen, in welchen Fächern das Latinum Voraussetzung ist. Latein gehört wie Englisch zu den Fremdsprachen, dem zweithäufigsten Fach für Nachhilfe.
Wann Ihr Kind das Latinum bekommt
Das Latinum bekommt Ihr Kind in der Regel durch den Lateinunterricht in der Schule. Im maßgeblichen Zeugnis muss mindestens die Note ausreichend stehen, in der Oberstufe also 5 Punkte. Wann dieses Zeugnis ausgestellt wird, legt jedes Land selbst fest. In Nordrhein-Westfalen hängt das am neunjährigen Gymnasium davon ab, wann Ihr Kind mit Latein begonnen hat.
| Latein seit | Latinum am Ende von | Zusätzliche Bedingung |
|---|---|---|
| Klasse 5 | Klasse 10 | mindestens 20 Wochenstunden Latein und Lektüre ab dem zweiten Halbjahr der Klasse 8 |
| Klasse 5 | der Einführungsphase, dem ersten Jahr der Oberstufe | keine |
| Klasse 7 | der Einführungsphase | keine |
| Klasse 9 | dem ersten Jahr der Qualifikationsphase | keine |
| der Einführungsphase | der Qualifikationsphase | eine zusätzliche Prüfung |
Daneben gibt es in Nordrhein-Westfalen das Kleine Latinum. Es bekommt, wer am Ende des Schuljahres vor dem Latinum mindestens ausreichend hat.
Latein baut auf Formen, Vokabeln und Satzbau auf
In Nordrhein-Westfalen enthält jede Lateinarbeit Aufgaben zum Erschließen, Übersetzen und Deuten eines Textes. Dafür braucht Ihr Kind drei Grundlagen. Bis zum Ende der Mittelstufe soll es einen Grundwortschatz von 1.100 bis 1.200 Wörtern beherrschen. Dazu kommen die Formen der Wörter, etwa Fälle und Zeiten, und der Satzbau mit Subjekt, Prädikat und Objekt.
Fehlt eine dieser Grundlagen, hilft auch die beste Übersetzungsmethode wenig. Gute Nachhilfe prüft deshalb in der ersten Stunde, wo es hakt.
- Kann Ihr Kind bei einem Wort Fall, Zahl und Zeit bestimmen?
- Kennt es die Vokabeln der letzten Lektionen ohne Hilfe?
- Sucht es in einem Satz zuerst das Prädikat und dann das Subjekt?
- Erkennt es Nebensätze und Partizipien?
- Wählt es im Wörterbuch die Bedeutung, die zur Textstelle passt?
So übt Latein-Nachhilfe das Übersetzen
Gute Latein-Nachhilfe übt das Übersetzen in festen Schritten. Der Lehrplan in Nordrhein-Westfalen nennt zwei Wege, einen Text zu erschließen, als Ganzes und Satz für Satz. In den Arbeiten bekommt Ihr Kind dazu Hilfen wie Vokabelangaben und einen deutschen Einleitungstext. Ab dem letzten Lernjahr kann die Schule ein zweisprachiges Wörterbuch einsetzen.
Den ganzen Text überfliegen
Ihr Kind liest den deutschen Einleitungstext und die Hilfen. Es sucht Namen und bekannte Wörter, um das Thema zu erfassen.
Das Prädikat suchen
In jedem Satz sucht es zuerst das Verb und bestimmt Person, Zahl und Zeit. Das Verb zeigt, wer handelt und wann.
Subjekt und Objekte zuordnen
Danach bestimmt es die Fälle der Nomen und ordnet sie dem Verb zu.
Nebensätze abgrenzen
Es markiert Nebensätze und Partizipien und übersetzt den Hauptsatz zuerst.
In gutes Deutsch bringen
Zum Schluss formuliert es die Übersetzung so, dass sie sich wie ein deutscher Satz liest. Auch das Latinum verlangt eine Übersetzung in angemessenem Deutsch.
Für die Vokabeln gilt dasselbe wie in jeder Sprache. John Dunlosky und vier Kollegen haben 2013 zehn verbreitete Lerntechniken verglichen. Selbstabfragen und Lernen in verteilten Portionen bekamen die beste Bewertung. Wiederlesen der Vokabelliste verbessert die Leistung nicht verlässlich. Findet sich am Wohnort keine Lehrkraft für Latein, kommt auch Online-Nachhilfe infrage.
Wenn die Note fürs Latinum nicht reicht
Reicht die Note im Abschlussjahr nicht, ist das Latinum in Nordrhein-Westfalen nicht verloren. Ihr Kind kann den Lateinunterricht einer Jahrgangsstufe besuchen, die mit dem Latinum abschließt, und dort mindestens ausreichend erreichen. Oder es legt eine Prüfung ab.
Die Prüfung besteht dort aus einer dreistündigen Klausur und einer mündlichen Prüfung von bis zu 20 Minuten. Die Aufgaben für die Klausur stellt das Land zentral, und jedes Jahr nennt es dafür Themen und Autoren. Die Schule meldet die Prüflinge bis spätestens zum ersten Februar an, geprüft wird gegen Ende des Schuljahres.
Für die Nachhilfe zählt ein Satz des Schulministeriums besonders. Die Vorbereitung auf die Prüfung liegt bei den Prüflingen und ihren Eltern, einen Anspruch auf zusätzlichen Unterricht gibt es nicht. Die Schule berät Ihr Kind aber bei der Vorbereitung.
Hat Ihr Kind im Abschlussjahr für das Latinum mindestens ausreichend?
Das Latinum steht im Zeugnis. Nachhilfe braucht Ihr Kind dafür nicht mehr.
Gibt es an der Schule im nächsten Jahr einen Lateinkurs, der mit dem Latinum abschließt?
Ihr Kind besucht diesen Kurs und braucht dort mindestens ausreichend. Nachhilfe kann die Lücken aus dem Vorjahr schließen.
Melden Sie Ihr Kind über die Schule zur Latinumsprüfung an. Planen Sie die Vorbereitung mit den genannten Themen und Autoren, auf Wunsch mit Nachhilfe.
Das Latinum nach dem Abitur nachholen
Auch nach dem Abitur lässt sich das Latinum erwerben. Die Vereinbarung der Länder sieht dafür eine Prüfung vor, die Zulassung regelt jedes Land selbst. Die schriftliche Prüfung dauert 180 Minuten und verlangt die Übersetzung eines unbekannten Textes mit etwa 180 Wörtern. Die mündliche Prüfung dauert in der Regel 20 Minuten, nach 30 Minuten Vorbereitung. Bestanden ist sie mit mindestens ausreichend, und kein Teil darf ungenügend sein.
In Nordrhein-Westfalen bieten die Universitäten dafür Kurse an, in der Regel über die Institute für Klassische Philologie oder Altertumskunde. Das Latinum kommt dann als Erweiterungsprüfung zum Abiturzeugnis hinzu.
Auch eine frühere Prüfung ist möglich. Wer in Nordrhein-Westfalen Latein ab Klasse 5 hatte und ab der Oberstufe drei weitere Fremdsprachen belegt, kann am Ende der Mittelstufe eine Latinumsprüfung ablegen. Eine der drei Sprachen muss dabei neu beginnen. Voraussetzung sind mindestens gute Leistungen im zweiten Halbjahr der Klasse 9 und im ersten Halbjahr der Klasse 10.
Häufige Fragen
Welche Note braucht man für das Latinum?
Für das Latinum braucht Ihr Kind im maßgeblichen Zeugnis mindestens die Note ausreichend, in der Oberstufe also 5 Punkte. So steht es in der Vereinbarung der Länder über das Latinum. Wann dieses Zeugnis ausgestellt wird, legt jedes Land fest.
Kann man das Latinum nachholen?
Ja, das Latinum lässt sich über eine Prüfung nachholen, auch nach dem Abitur. Die Prüfung besteht aus 180 Minuten schriftlicher Übersetzung und einer mündlichen Prüfung von in der Regel 20 Minuten. In Nordrhein-Westfalen bieten Universitäten dafür vorbereitende Kurse an.
Wie viele Vokabeln braucht man in Latein?
In Nordrhein-Westfalen umfasst der lateinische Grundwortschatz bis zum Ende der Mittelstufe 1.100 bis 1.200 Wörter. Beim Lesen von Originaltexten kommen Vokabeln einzelner Autoren dazu. Für das Latinum verlangen die Länder einen ausreichenden Wortschatz.
Darf man beim Latinum ein Wörterbuch benutzen?
Ob beim Latinum ein zweisprachiges Wörterbuch erlaubt ist, entscheidet jedes Land selbst. Die Vereinbarung der Länder stellt das ausdrücklich frei. Fragen Sie die Schule, welche Hilfsmittel in Ihrem Land zugelassen sind.
Hilft Nachhilfe in Latein beim Übersetzen?
Ja, Nachhilfe in Latein hilft beim Übersetzen, wenn sie in festen Schritten übt und vorher Formen und Vokabeln sichert. Ihr Kind sucht dabei zuerst das Prädikat, ordnet Subjekt und Objekte zu und bringt den Satz am Ende in gutes Deutsch. Fehlen die Formen, beginnt die Nachhilfe dort.
