Woher kommt eine Fünf in Mathe?
Mathe ist das häufigste Fach für Nachhilfe. In einer Elternbefragung der Bertelsmann Stiftung zum Schuljahr 2014/15 hatten 61 Prozent der Nachhilfekinder Nachhilfe in Mathe. Die Hälfte von ihnen stand in Mathe auf einer Vier, weitere 13 Prozent auf einer Fünf oder Sechs.
Die Lücken beginnen früh. Der Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen prüft in allen Ländern, ob Kinder den Mindeststandard erreichen. Das ist die Untergrenze, die alle Schüler schaffen sollen. In Klasse 4 verfehlten 2021 rund 22 Prozent diese Grenze in Mathe. In Klasse 9 verfehlten 2024 knapp 9 Prozent die Grenze für den Ersten Schulabschluss. Ungefähr 34 Prozent verfehlten die Grenze für den Mittleren Schulabschluss, den die Jugendlichen ein Jahr später machen.
Weil jedes Thema auf dem vorigen aufbaut, wandert eine Lücke von Klasse zu Klasse mit. Eine Fünf in Klasse 8 kann deshalb aus Klasse 6 stammen, auch wenn der aktuelle Stoff ganz anders aussieht.
Wie der Mathe-Stoff von Klasse zu Klasse aufbaut
Die Reihenfolge der Themen legt jedes Land in seinem Lehrplan fest. In Nordrhein-Westfalen lernen Kinder am Gymnasium bis zum Ende der Klasse 6 das Rechnen mit einfachen Brüchen und Dezimalzahlen. Danach folgen negative Zahlen, Terme mit Buchstaben, lineare Gleichungen und lineare Funktionen. Bis zum Ende der Klasse 10 kommen quadratische Gleichungen und Funktionen, Wachstum, Pythagoras und Trigonometrie dazu.
| Wann im Lehrplan | Themen | Was später darauf aufbaut |
|---|---|---|
| bis Ende Klasse 6 | Brüche und Dezimalzahlen, Kürzen und Erweitern, Prozentzahlen, Dreisatz | negative Zahlen, Bruchgleichungen, Prozent- und Zinsrechnung |
| ab Klasse 7, erste Stufe | negative Zahlen, Terme und Variablen, binomische Formeln, lineare Gleichungen und Gleichungssysteme, lineare Funktionen | quadratische Gleichungen und Funktionen |
| bis Ende Klasse 10, zweite Stufe | Potenzen und Wurzeln, quadratische Gleichungen und Funktionen, Wachstum, Pythagoras, Trigonometrie | der Stoff der Oberstufe |
Fragen Sie die Mathelehrkraft, in welcher Klasse Ihr Kind welches Thema hatte. So weiß die Nachhilfe, wo sie mit der Suche nach der Lücke beginnen kann.
So findet Nachhilfe die Lücke in Mathe
Gute Mathe-Nachhilfe beginnt mit einer Suche und nicht mit den Hausaufgaben. Die britische Education Endowment Foundation wertet Studien zur Förderung von Schülern aus. Sie rät, zuerst die Lücken des Kindes zu verstehen und danach den Stoff auszuwählen. Auch Kleingruppen wirken am ehesten, wenn sie gezielt auf den Bedarf der Kinder eingehen.
Klassenarbeiten sichten
Die Nachhilfe sieht sich die letzten zwei Klassenarbeiten mit Korrektur an. Sie notiert, bei welchen Aufgaben die Punkte fehlen.
Rückwärts testen
Ihr Kind rechnet kurze Aufgaben zu den Grundlagen dieser Themen, etwa Brüche vor Gleichungen. Die Lehrkraft geht so lange eine Stufe zurück, bis die Aufgaben sitzen.
Lücke benennen
Die Lehrkraft beschreibt die Lücke in einem Satz, zum Beispiel das Addieren von Brüchen mit verschiedenen Nennern. Diesen Satz bekommen Sie schriftlich.
Von der Lücke nach vorn üben
Erst wenn die Grundlage sitzt, kommt der aktuelle Stoff dran. So schließt die Nachhilfe die Kette Glied für Glied.
Nach zehn Wochen prüfen
Die Studien zeigen die beste Wirkung über bis zu zehn Wochen. Danach vergleichen Sie die neue Klassenarbeit mit den alten Fehlern.
Einzeln oder in der Kleingruppe in Mathe
In Mathe schnitten Kleingruppen in den Studien der britischen Stiftung nicht schlechter ab als Einzelunterricht. Die Werte reichen von 2 Monaten zusätzlichem Lernfortschritt bei Einzelunterricht bis 3 Monaten in der Kleingruppe. Die Richtwerte des Jobcenters Kreis Kleve liegen zwischen 14,25 Euro für die Gruppe und 22,50 Euro für eine Lehrkraft, je 45 Minuten.
| Form | Zusätzlicher Lernfortschritt in Mathe | Beste Taktung in den Studien | Richtwert Kreis Kleve je 45 Minuten |
|---|---|---|---|
| Einzelunterricht | 2 Monate | etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche, bis zu 10 Wochen | 22,50 Euro bei einer Lehrkraft, 16,50 Euro bei Studierenden |
| Kleingruppe bis fünf Kinder | 3 Monate | etwa dreimal pro Woche bis zu einer Stunde, rund 10 Wochen | 14,25 Euro |
Eine Kleingruppe passt, wenn alle Kinder am selben Thema arbeiten. Steckt die Lücke Ihres Kindes in einem Thema, das die anderen schon können, spricht das für Einzelunterricht. Ob Einzelnachhilfe oder Gruppennachhilfe besser passt, hängt vor allem an dieser Frage.
Wann Nachhilfe in Mathe nicht reicht
Nachhilfe reicht nicht, wenn Ihr Kind schon bei den Grundrechenarten unsicher ist und das trotz Übens lange so bleibt. Dann klärt eine Fachstelle, ob eine Rechenstörung vorliegt. Große Angst vor Mathearbeiten löst Nachhilfe ebenfalls nicht allein. Hier helfen die Schulpsychologie oder eine Beratungsstelle.
Sind die Lücken über mehrere Klassen hinweg sehr groß, sprechen Sie mit der Schule über Förderangebote. Fördergruppen der Schule sind für Eltern nach der Studie der Bertelsmann Stiftung in der Regel kostenfrei.
Rechnet Ihr Kind Plus, Minus, Mal und Geteilt mit kleinen Zahlen sicher?
Lässt sich die Lücke einem Thema aus einer früheren Klasse zuordnen?
Nachhilfe passt. Sie beginnt bei diesem Thema und arbeitet sich zum aktuellen Stoff vor.
Die Lücke liegt im aktuellen Stoff. Dann können eine Kleingruppe oder kurze Einzelstunden vor der Klassenarbeit reichen.
Bleibt das trotz regelmäßigen Übens seit langer Zeit so?
Lassen Sie von einer Fachstelle klären, ob eine Rechenstörung vorliegt.
Üben Sie die Grundrechenarten täglich kurz, und fragen Sie die Schule nach einer Fördergruppe.
Wie Ihr Kind zwischen den Stunden Mathe übt
Zwischen den Nachhilfestunden zählt das eigene Üben. John Dunlosky und vier Kollegen haben 2013 zehn verbreitete Lerntechniken verglichen. Üben mit Testaufgaben und Lernen in verteilten Portionen bekamen die beste Bewertung. Gemischtes Üben verschiedener Aufgabentypen bekam eine mittlere Bewertung, weil es noch wenig erforscht ist.
- Ihr Kind rechnet an mehreren Tagen der Woche einige Aufgaben, statt am Sonntag alles auf einmal.
- Es rechnet Aufgaben ohne Lösung daneben und vergleicht erst danach.
- Es mischt Aufgaben aus alten und neuen Themen, so wie die Klassenarbeit sie mischt.
- Falsch gelöste Aufgaben kommen auf ein Fehlerblatt und einige Tage später noch einmal dran.
- Vor der Klassenarbeit rechnet es eine alte Arbeit unter Zeitdruck.
Häufige Fragen
Wie findet Mathe-Nachhilfe heraus, wo die Lücke liegt?
Mathe-Nachhilfe findet die Lücke, indem sie mit Aufgaben aus früheren Klassen rückwärts testet. Sie beginnt bei den Fehlern der letzten Klassenarbeiten und geht so lange eine Stufe zurück, bis die Aufgaben sitzen. Von dort übt sie nach vorn bis zum aktuellen Stoff.
Warum stapeln sich Lücken in Mathe?
Lücken in Mathe stapeln sich, weil jedes Thema auf dem vorigen aufbaut. In Nordrhein-Westfalen lernen Kinder am Gymnasium bis Klasse 6 Brüche und danach Terme, Gleichungen und Funktionen. Wer Brüche nicht sicher kann, hat deshalb später auch mit Bruchgleichungen Mühe.
Wie viele Schüler verfehlen in Mathe den Mindeststandard?
In Mathe verfehlten 2024 ungefähr 34 Prozent der Neuntklässler den Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss. Die niedrigere Grenze für den Ersten Schulabschluss verfehlten knapp 9 Prozent. In Klasse 4 lagen 2021 rund 22 Prozent unter dem Mindeststandard in Mathe.
Ist Gruppennachhilfe in Mathe so wirksam wie Einzelnachhilfe?
Gruppennachhilfe in Mathe schnitt in den Studien der Education Endowment Foundation nicht schlechter ab als Einzelnachhilfe. Kleingruppen brachten in Mathe im Schnitt 3 Monate zusätzlichen Lernfortschritt, Einzelunterricht 2 Monate. Wichtig ist, dass alle Kinder der Gruppe am selben Thema arbeiten.
Wann reicht Nachhilfe in Mathe nicht aus?
Nachhilfe in Mathe reicht nicht aus, wenn Ihr Kind bei den Grundrechenarten unsicher bleibt, obwohl es lange regelmäßig übt. Dann klärt eine Fachstelle, ob eine Rechenstörung vorliegt. Bei großer Angst vor Mathearbeiten helfen die Schulpsychologie oder eine Beratungsstelle.
