Bei welchen Lücken Nachhilfe in der Grundschule hilft
Nachhilfe hilft einem Grundschulkind, wenn ihm ein bestimmtes Thema fehlt. Das kann das Einmaleins sein, der Zehnerübergang beim Rechnen oder das Lesen einzelner Laute. Eine solche Lücke lässt sich mit gezieltem Üben schließen. Anders ist es, wenn Ihr Kind seit Monaten in mehreren Fächern kaum vorankommt. Dann klären Sie zuerst die Ursache, bevor Sie Stunden buchen.
Welcher Schritt zuerst kommt, hängt davon ab, was Ihnen auffällt. Nachhilfe steht nur dort vorn, wo die Lücke klein und klar ist.
| Was Ihnen auffällt | Erster Schritt | Ist Nachhilfe richtig? | Warum |
|---|---|---|---|
| Ein Thema sitzt nicht, etwa das Einmaleins | mit der Klassenlehrerin sprechen und nach Förderstunden fragen | ja, kurz und gezielt | eine kleine Lücke schließt gezieltes Üben |
| Lesen oder Schreiben bleibt trotz Übens lange schwer | Kinderarztpraxis, dann Fachpraxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie | erst abklären lassen | dahinter kann eine Lese-Rechtschreibstörung stecken |
| Rechnen bleibt trotz Übens lange schwer | abklären lassen, ob eine Rechenstörung vorliegt | erst abklären lassen | eine Rechenstörung braucht Lerntherapie |
| Deutsch ist nicht die Sprache der Familie | Sprachförderung der Schule nutzen | ja, als Sprachförderung | das Bildungspaket zahlt Sprachförderung auch länger als ein Schuljahr |
| Hausaufgaben enden jeden Tag mit Tränen und Streit | Beratungslehrkraft oder Schulpsychologie fragen | nein | Überforderung oder Angst sind keine Lücke im Stoff |
Wie viele Grundschulkinder Nachhilfe bekommen
Knapp 5 Prozent der Grundschulkinder bekamen Nachhilfe. Das ergab eine Befragung von rund 4.300 Eltern, die die Bertelsmann Stiftung im Januar 2016 veröffentlicht hat. An den weiterführenden Schulen waren es rund 18 Prozent, an Gymnasien fast jedes fünfte Kind.
Wie es um die Leistungen in der Grundschule steht, zeigt ein Test aus dem Jahr 2021. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen hat dafür 26.844 Kinder der vierten Klasse geprüft. In Mathe verfehlten rund 22 Prozent die Mindeststandards, in der Rechtschreibung rund 30 Prozent. Mindeststandards beschreiben, was jedes Kind am Ende der vierten Klasse können sollte. Nach dem Bericht ist das Niveau in Deutsch und Mathe gegenüber früheren Tests deutlich gesunken.
So wirkt Nachhilfe bei Grundschulkindern am besten
Förderung wirkt in der Grundschule stärker als in späteren Klassen. Das zeigt die britische Education Endowment Foundation, die Studien zu Fördermaßnahmen auswertet. Mit Einzelunterricht kamen Grundschulkinder im Schnitt 6 Monate weiter als Kinder ohne diese Förderung, ältere Schüler 4 Monate. In einer kleinen Gruppe statt Einzelunterricht waren es in der Grundschule 4 Monate. Am besten wirkten kurze Einheiten von etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche und über bis zu zehn Wochen.
Eine Auswertung von Dutzenden Versuchen mit Nachhilfe kam 2020 zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Wirkung war in den unteren Klassen am größten, beim Lesen besonders früh. Lehrkräfte und geschulte Helfer erreichten mehr als Laien oder Eltern.
- Planen Sie mehrere kurze Einheiten pro Woche statt einer langen Stunde.
- Legen Sie ein Thema und ein Ziel fest, zum Beispiel das Einmaleins bis zu den Herbstferien.
- Stimmen Sie Material und Rechenweg mit der Klassenlehrerin ab, damit Ihr Kind nicht zwei Wege lernt.
- Wählen Sie eine geschulte Person oder ein festes Übungsprogramm.
- Lassen Sie sich nach jeder Stunde sagen, was geübt wurde und was noch nicht klappt.
Wann Sie zuerst eine Lernstörung abklären lassen
Bleiben Lesen, Schreiben oder Rechnen trotz regelmäßigen Übens lange schwer, kann eine Lernstörung dahinterstecken. Gemeint sind vor allem die Lese-Rechtschreibstörung und die Rechenstörung. Als Laie erkennt man nicht sicher, ob ein Kind eine Lese-Rechtschreibstörung hat, schreibt der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie. Die Diagnose stellen Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.
Liegt eine solche Störung vor, braucht Ihr Kind keine Nachhilfe im Stoff, sondern eine Lerntherapie. Sie setzt an der Störung selbst an. Der Unterschied zwischen Nachhilfe und Lerntherapie entscheidet auch darüber, wer zahlt. Eine Lerntherapie kann das Jugendamt bezahlen, wenn die Störung Ihr Kind im Leben mit anderen deutlich einschränkt.
Hilft Nachhilfe vor dem Übertritt nach Klasse 4?
Nachhilfe kann vor dem Übertritt eine einzelne Note verbessern, wenn die Lücke klein ist und genug Zeit bleibt. Die Regeln für den Übertritt legt jedes Bundesland selbst fest. In Bayern bekommen alle Kinder der vierten Klasse Anfang Mai ein Übertrittszeugnis. Darin steht ein Notenschnitt aus Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht. Für das Gymnasium braucht Ihr Kind einen Schnitt von 2,33 oder besser, für die Realschule 2,66 oder besser. Ist der Schnitt schlechter, kann Ihr Kind seine Eignung im Probeunterricht zeigen.
In Bayern bleibt für gezielte Förderung also die Zeit vom Herbst bis zum Frühjahr der vierten Klasse. Nachhilfe sollte in dieser Zeit eine Lücke schließen und das Kind nicht nur knapp über die Hürde schieben. Sonst nimmt es die Lücke mit in Klasse 5. Das bayerische Kultusministerium betont außerdem, dass die Wahl der Schulart nicht endgültig sein muss. Welche Regel in Ihrem Land gilt, sagt Ihnen die Klassenlehrerin.
Fehlt die bessere Note nur in einem Fach, und kennen Sie die Lücke?
Bleiben bis zum Übertrittszeugnis noch mindestens zehn Wochen?
Nehmen Sie gezielte Nachhilfe in diesem Fach, mehrmals pro Woche kurz und abgestimmt mit der Lehrerin.
Kurzfristig lässt sich wenig ändern. Nutzen Sie den Probeunterricht oder die Beratung der Schule und planen Sie die Förderung für Klasse 5.
Liegt Ihr Kind in zwei oder drei Fächern deutlich unter dem nötigen Schnitt?
Sprechen Sie mit der Lehrerin über die passende Schulart. In Bayern bleibt ein späterer Wechsel möglich.
Dann fehlt eher Sicherheit als Stoff. Üben Sie zu Hause mit dem Material der Schule, ohne zusätzlichen Druck.
Was Nachhilfe in der Grundschule kostet
Für Grundschulkinder setzen die Ämter beim Bildungspaket die niedrigsten Sätze und die engsten Grenzen pro Woche an. Die Stadt Köln zahlt für Grundschulkinder bis 12 Euro je Nachhilfestunde, für ältere Schüler bis 14 oder 17 Euro. Das Jobcenter im Kreis Kleve hält für Grundschulkinder bis zu 3 volle Stunden pro Woche für zumutbar. Das Jobcenter Remscheid erlaubt in den Klassen 1 bis 4 nur 2 volle Stunden pro Woche, um Kinder vor zu viel Belastung zu schützen. Daran können sich auch Familien halten, die selbst zahlen.
Bekommt Ihre Familie Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld), Sozialhilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Leistungen für Asylbewerber, zahlt das Bildungspaket die Nachhilfe. Im Antrag heißt Nachhilfe Lernförderung. Die Schule muss bestätigen, dass Ihr Kind Hilfe braucht und sie selbst kein passendes Angebot hat. Eine gefährdete Versetzung ist dafür nicht nötig. Stellen Sie den Antrag beim Bildungspaket, bevor die Nachhilfe beginnt. Im Kreis Kleve gilt dieser Antrag zum Beispiel nicht rückwirkend. In allen anderen Fällen zahlen Sie selbst.
- Klären Sie mit der Klassenlehrerin, welches Thema fehlt und seit wann.
- Nutzen Sie zuerst die kostenlose Förderung der Schule.
- Lassen Sie bei langen Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben oder Rechnen zuerst die Ursache abklären.
- Wählen Sie kurze Einheiten von etwa 30 Minuten, mehrmals pro Woche, mit einer geschulten Person.
- Beantragen Sie das Bildungspaket vor der ersten Stunde, wenn Ihre Familie Anspruch hat.
- Prüfen Sie spätestens nach zehn Wochen mit der Lehrerin, ob Ihr Kind vorankommt.
Häufige Fragen
Ab welcher Klasse ist Nachhilfe in der Grundschule sinnvoll?
Nachhilfe ist schon ab der ersten Klasse sinnvoll, wenn Ihrem Kind ein bestimmtes Thema fehlt. Förderung wirkt in der Grundschule sogar stärker als später. Nach einer britischen Auswertung von Studien brachte Einzelunterricht Grundschulkindern 6 Monate Lernvorsprung, älteren Schülern 4 Monate.
Wie viele Grundschulkinder bekommen Nachhilfe?
Knapp 5 Prozent der Grundschulkinder bekamen Nachhilfe. Das ergab eine Elternbefragung, die die Bertelsmann Stiftung im Januar 2016 veröffentlicht hat. An weiterführenden Schulen waren es rund 18 Prozent.
Wie lange sollte eine Nachhilfestunde in der Grundschule dauern?
Eine Nachhilfestunde in der Grundschule sollte etwa 30 Minuten dauern. Am besten wirkten nach einer britischen Auswertung kurze Einheiten drei- bis fünfmal pro Woche über bis zu zehn Wochen. Das Jobcenter Remscheid begrenzt Nachhilfe in den Klassen 1 bis 4 auf 2 volle Stunden pro Woche, das Jobcenter Kleve auf 3.
Woran merke ich, ob mein Kind eine Lese-Rechtschreibstörung hat?
Ob ein Kind eine Lese-Rechtschreibstörung hat, können Eltern nicht sicher selbst erkennen. Ein Hinweis ist, wenn Lesen oder Schreiben trotz Übens deutlich schwerer fällt, als es für Alter und Klasse zu erwarten ist. Die Diagnose stellt eine Fachpraxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder ein Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut.
Zahlt das Bildungspaket Nachhilfe in der Grundschule?
Ja, das Bildungspaket zahlt Nachhilfe in der Grundschule, wenn Ihre Familie Grundsicherungsgeld, Sozialhilfe, Wohngeld oder Kinderzuschlag bekommt. Die Schule muss bestätigen, dass Ihr Kind Hilfe braucht und sie selbst kein passendes Angebot hat. Die Stadt Köln zahlt für Grundschulkinder bis 12 Euro je Stunde. Stellen Sie den Antrag, bevor die Nachhilfe beginnt.
