Woran erkennen Sie gute Nachhilfe?
Gute Nachhilfe erkennen Sie daran, wie die Lehrkraft arbeitet. Sie sucht zuerst die Lücke und übt dann mit dem Stoff, den Ihr Kind gerade in der Schule hat, in kurzen und regelmäßigen Einheiten.
Das zeigt eine Auswertung der britischen Stiftung Education Endowment Foundation, die Studien zur Förderung an Schulen zusammenfasst. Einzelunterricht brachte dort im Schnitt fünf Monate zusätzlichen Lernfortschritt. Am besten wirkten Einheiten von etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche, über bis zu zehn Wochen. Wichtig war außerdem, dass die Förderung zum Unterricht dazukommt und eng mit ihm verbunden ist.
Für gekaufte Nachhilfe in Deutschland fällt das Bild schwächer aus. Ein Forschungsteam um Karin Guill veröffentlichte 2020 eine Auswertung mit Daten von 11.358 Zehntklässlern. Kinder mit Nachhilfe hatten danach im Schnitt keine besseren Noten in Mathe oder Deutsch. Der Unterschied liegt in der Arbeitsweise. Die guten Werte aus den Studien beruhen vor allem auf Förderung mit festem Plan, geschulten Lehrkräften und enger Verbindung zum Unterricht.
- Die Lehrkraft prüft in der ersten Stunde, wo die Lücke liegt, zum Beispiel anhand der letzten zwei Klassenarbeiten.
- Sie arbeitet mit dem Schulbuch Ihres Kindes und auf die nächste Klassenarbeit hin.
- Ihr Kind kommt mehrmals pro Woche für kurze Zeit, nicht einmal pro Woche für lange.
- Sie erfahren nach jeder Stunde in zwei Sätzen, was geübt wurde und was noch fehlt.
- Es gibt ein Ziel mit Termin, etwa die Mathearbeit vor den Herbstferien.
Jeder darf sich Nachhilfelehrer nennen
Die Bezeichnung Nachhilfelehrer ist nicht geschützt, und eine bestimmte Ausbildung schreibt niemand vor. So steht es auf der Gründerplattform der Förderbank KfW. Nachhilfe geben deshalb ganz verschiedene Menschen, von der Lehrerin im Ruhestand bis zum Schüler aus der Oberstufe. Was die Person kann, müssen Sie also selbst erfragen.
Einen Anhaltspunkt geben die Sätze, die das Jobcenter im Kreis Kleve im Bildungspaket für Nachhilfe zahlt. Sie reichen von 10,95 Euro für ältere Schülerinnen und Schüler bis 22,50 Euro für Lehrkräfte mit Lehramtsstudium, jeweils für 45 Minuten Einzelunterricht. Studierende liegen mit 16,50 Euro dazwischen. Ein Institut bekommt in Kleve für Einzelunterricht immer 22,50 Euro, egal wer dort unterrichtet.
| Wer unterrichtet | Typische Ausbildung | Satz in Kleve | Was Sie fragen sollten |
|---|---|---|---|
| Lehrkraft, auch im Ruhestand | abgeschlossenes Lehramtsstudium | 22,50 Euro | Kennt sie die Klassenstufe Ihres Kindes? |
| Institut oder Kette | je nach Institut verschieden | 22,50 Euro | Wer genau unterrichtet Ihr Kind? |
| Studentin oder Student | Studium im Fach oder im Lehramt | 16,50 Euro | Hat sie schon in dieser Klassenstufe unterrichtet? |
| Ältere Schülerin oder älterer Schüler | gute Noten im Fach | 10,95 Euro | Wer hilft, wenn die Lücke tiefer liegt? |
Bei jeder Person, die allein mit Ihrem Kind arbeitet, können Sie ein erweitertes Führungszeugnis verlangen. Darin stehen auch Straftaten, die für den Schutz von Kindern wichtig sind. Die Lehrkraft beantragt es selbst und braucht dafür eine schriftliche Aufforderung von Ihnen. In dieser bestätigen Sie, dass die Person Ihr Kind unterrichtet.
Diese 8 Fragen stellen Sie vor der Anmeldung
Mit acht Fragen können Sie jedes Angebot einordnen. Lassen Sie sich die Antworten schriftlich geben, bevor Sie etwas unterschreiben. Eine kurze E-Mail reicht dafür völlig.
- Wer unterrichtet mein Kind, und welche Erfahrung hat diese Person mit dem Fach und der Klassenstufe?
- Wie finden Sie heraus, wo die Lücke liegt, und wann erfahre ich das Ergebnis?
- Wie viele Kinder sitzen in der Gruppe, und lernen alle dasselbe Fach in derselben Klassenstufe?
- Wie oft und wie lange findet die Nachhilfe statt, und für wie viele Wochen ist sie geplant?
- Was kostet eine Stunde bei genau der Laufzeit, die ich will, und was kommt einmalig dazu?
- Mit welcher Frist kann ich kündigen, und was gilt bei einem Umzug?
- Wer springt ein, wenn die Lehrkraft krank ist?
- Woran sehen wir, ob die Nachhilfe wirkt, und wann prüfen wir das gemeinsam?
Bei der Frage nach der Gruppe hilft ein Befund aus der Forschung. In manchen Studien waren Gruppen mit zwei oder drei Kindern genauso wirksam wie Einzelunterricht.
So testen Sie die Lehrkraft in der Probestunde
Eine Probestunde zeigt Ihnen mehr als jede Werbung, wenn Sie sie vorbereiten. Große Institute wie der Studienkreis bieten sie kostenlos an. Sie soll zeigen, ob die Lehrkraft die Lücke findet und ob Ihr Kind sich traut, vor ihr Fehler zu machen.
Vorher Material mitgeben
Geben Sie die letzte Klassenarbeit mit Korrektur, das Schulheft und eine Aufgabe mit, die Ihr Kind nicht kann. Sagen Sie der Lehrkraft vorher, worum es geht.
Während der Stunde genau hinsehen
Fragt die Lehrkraft, wie Ihr Kind gerechnet hat, oder rechnet sie selbst vor? Arbeitet sie mit der mitgebrachten Arbeit? Darf Ihr Kind viel selbst sprechen?
Danach Ihr Kind fragen
Stellen Sie am selben Tag drei Fragen. Was hast du heute verstanden? Was hat die Lehrkraft gemacht, als du einen Fehler hattest? Würdest du ihr eine Frage stellen, die dir peinlich ist?
In einer Woche entscheiden
Buchen Sie nur, wenn Ihr Kind etwas Neues verstanden hat und sich wohlgefühlt hat. Sonst machen Sie eine zweite Probestunde bei jemand anderem.
Wann Ihr Kind etwas anderes braucht als Nachhilfe
Nachhilfe hilft bei einer Lücke im Stoff. Liegt die Ursache woanders, braucht Ihr Kind etwas anderes. Fragen Sie deshalb zuerst die Schule. In Nordrhein-Westfalen hat jedes Kind nach dem Schulgesetz ein Recht auf individuelle Förderung, und die Schulen bieten dafür eigene Förderstunden an. So schreibt es das Jobcenter Kreis Kleve in seiner Weisung zum Bildungspaket.
Halten Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen trotz Übens lange an, kann eine Lese-Rechtschreibstörung oder eine Rechenstörung dahinterstecken. Ob das so ist, klärt eine Fachstelle, zum Beispiel eine Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Bei Angst vor Prüfungen oder Ärger in der Klasse hilft eine Beratungsstelle mehr als eine weitere Stunde Stoff.
Betrifft die Schwierigkeit ein Fach, und lässt sich die Lücke benennen, etwa Bruchrechnen?
Gibt es an der Schule eine kostenlose Förderstunde für dieses Fach, die Ihr Kind noch nicht nutzt?
Nutzen Sie zuerst die Förderstunde der Schule. Reicht sie nach einigen Wochen nicht, kommt Nachhilfe dazu.
Nachhilfe ist das richtige Mittel. Suchen Sie eine Lehrkraft, die zuerst die Lücke prüft und mit dem Schulstoff arbeitet.
Ziehen sich Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen trotz Übens seit Monaten hin?
Lassen Sie von einer Fachstelle klären, ob eine Lernstörung dahintersteckt. Nachhilfe allein löst das nicht.
Sprechen Sie mit der Klassenlehrkraft oder einer Beratungsstelle. Angst, Konzentration oder Streit in der Klasse sind keine Lücke im Stoff.
Was Sie mit einer privaten Lehrkraft absprechen
Mit einer privaten Lehrkraft schließen Sie einen Vertrag, auch wenn nichts auf Papier steht. Wie schnell Sie wieder aufhören können, hängt nach dem Gesetz davon ab, wie Sie bezahlen. Bezahlen Sie jede Stunde einzeln, können Sie und die Lehrkraft fast sofort aufhören. Bei einem festen Betrag pro Monat kündigen Sie bis zum 15. eines Monats zum Monatsende.
Halten Sie schriftlich fest, was eine Stunde kostet und wie viele Minuten sie dauert. Klären Sie außerdem, bis wann Sie eine Stunde absagen können, was in den Ferien gilt und wie Sie Rückmeldung bekommen. Eine Nachricht auf dem Handy reicht dafür. Ob der Preis passt, zeigt ein Blick auf die Kosten der Nachhilfe bei Instituten und Jobcentern.
Von der Steuer absetzen können Sie die Stunden nicht. Das Bundesfinanzministerium zählt Unterricht nicht zu den Hilfen im Haushalt, auch wenn er bei Ihnen zu Hause stattfindet.
Häufige Fragen
Welche Ausbildung braucht ein Nachhilfelehrer?
Ein Nachhilfelehrer braucht keine bestimmte Ausbildung, weil die Bezeichnung nicht geschützt ist. Das Jobcenter im Kreis Kleve zahlt je 45 Minuten 22,50 Euro für Lehrkräfte mit Lehramtsstudium und 16,50 Euro für Studierende. Wichtiger als der Abschluss ist Erfahrung mit dem Fach und der Klassenstufe Ihres Kindes.
Wie finde ich einen guten Nachhilfelehrer in meiner Nähe?
Einen guten Nachhilfelehrer in Ihrer Nähe finden Sie über die Klassenlehrkraft, über Aushänge an Hochschulen und über Institute mit kostenloser Probestunde. Stellen Sie jeder Person dieselben Fragen zur Lücke, zur Häufigkeit und zum Termin, an dem Sie den Fortschritt prüfen. Entscheiden Sie erst nach einer Probestunde mit einer echten Aufgabe aus dem Schulheft.
Woran merke ich, dass die Nachhilfe meinem Kind hilft?
Dass Nachhilfe hilft, merken Sie zuerst an Aufgaben, die Ihr Kind jetzt allein lösen kann, und später an der nächsten Klassenarbeit. Die Studien fanden die beste Wirkung bei regelmäßiger Förderung über bis zu zehn Wochen. Zeigt sich danach kein Fortschritt, wechseln Sie die Lehrkraft oder die Form der Nachhilfe.
Darf ich von einem Nachhilfelehrer ein Führungszeugnis verlangen?
Ja, ein erweitertes Führungszeugnis können Sie von einem Nachhilfelehrer verlangen, der mit Ihrem minderjährigen Kind arbeitet. Die Lehrkraft beantragt es selbst und legt dafür Ihre schriftliche Aufforderung vor. Darin bestätigen Sie, dass sie Ihr Kind unterrichtet.
